David Sittek, Tunde Adebimpe und Kyp Malone haben sich in den letzten Jahren einen Ruf als Lieblingsband aller Kritiker und Musikliebhaber mit dem -*räusper*- etwas weiterreichenden Horizont erspielt. Die New Yorker Herkunft, hippes Künstler-/Musikerumfeld inklusive, zwei umjubelte Alben, auf denen sie, wie niemand zuvor das Erbe von Sonic Youth mit „schwarzer“ Musik wie Gospel, Jazz und Soul vereinen, sowie Sitteks Produzententätigkeit für Kollegen wie Celebration, Liars und Foals sind da deutliche Anzeichen. Mit „Dear Science,“ soll jetzt auch noch die verbliebene Welt abgeholt werden, mitgenommen auf die Reise nach ganz weit draußen zu ihrem völlig neuen Entwurf von Popmusik, denn das ist es, was bei TV On The Radio – bei allen avantgardistischen Experimenten – doch eigentlich immer im Vordergrund stand, die Liebe zum Pop in seinen vielfältigsten Ausprägungen.

„Dear Science,“ ist der endgültige Beweis dafür, dass die Versuche, die Band in einen gewöhnlichen Indie- oder überhaupt Rock-Kontext einzuordnen, schon immer kläglich zum Scheitern verurteilt waren. Die auf den Vorgängern omnipräsenten Störgeräusche und Soundwälle wurden deutlich zurückgeschraubt zugunsten einer klareren Produktion, noch größerem Detailreichtum und vor allem deutlich mehr Rhythmus. Dem Gospel, Jazz und Soul wird hier nämlich ein wesentliches Element hinzugefügt, der Funk. In „Crying“, „Dancing Choose“ und „Red Dress“ wimmelt es vor flickerigen Gitarren, Handclaps und „angesextem“ Gesang wie einst in George Clinton’s Raumschiff, was unter anderem dafür sorgt, dass TV On The Radio ihr bis dato zugänglichstes Werk geschaffen haben, das in seinen discotauglichsten Momenten auch eine passende Ergänzung zu „this year’s everybody’s darling“ Hercules & Love Affair und ihrem selbstbetitelten Debüt darstellen könnte.

Ansonsten findet man aber natürlich auch auf „Dear Science,“ alles was man an dieser Band schon immer so liebte. Das Markenzeichen der Band, dieses tiefe verleihende Grundrauschen, rückt zwar etwas mehr in den Hintergrund, scheint aber trotzdem immer präsent, Tunde Adebimpes „soulful“ Gesang und die Bläsersätze – man höre sich nur einmal „Golden Age“ an – sind fantastischer denn je und ein Song wie „DBZ“ zeigt auf, was Bloc Party mit ihren letzten beiden Alben vielleicht gewollt haben könnten. Und außerdem gibt es da ja auch noch „Family Tree“, dieser dezent mit Streichern versehene Ruhepol im Zentrum des tendenziell eher nervös drängelnden Albums, der wohl zu den ergreifendsten Stücken dieser an überwältigenden Momenten sicherlich nicht armen Band gehört.

Spätestens wenn dann die letzten Takte von „Lover’s Day“ verklingen ist man sich sicher, es nicht nur mit einem weiteren großen Schritt dieser Ausnahmemusiker, sondern auch mit einem – und das mehr als je zuvor – ganz und gar gewaltigen Album zu tun zu haben. Einem Album, das alle Versprechen einlöst und dennoch weit entfernt ist von einer endgültigen Perfektion, die zu erreichen TV On The Radio sich dann auch bitte gerne noch etwas Zeit lassen dürfen. Sollten sie tatsächlich so etwas wie die Talking Heads ihrer Generation sein, wie wird dann erst ihr „Remain In Light“ aussehen?

8.7 / 10

Label: 4AD / Beggars / Indigo

Spieldauer: 50:21

Referenzen: Celebration, Yeasayer, Bloc Party, Broken Social Scene, Talking Heads, Sonic Youth, Saul Williams, Gnarls Barkley, Curtis Mayfield, Parliament, Sly & The Family Stone

Links: Homepage, MySpace

VÖ: 19.09.08

Ein Kommentar zu “Review: TV On The Radio – Dear Science, (2008)”

  1. Philip sagt:

    hui, die referenzen gehen aber weit auseinander, von sonic youth bis curtis mayfield :) ist bei der band allerdings auch wirklich nicht einfach

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