Plattenkritiken


Review: Air France – On Trade Wings EP (2006) / No Way Down EP (2008)

So like a dream. No, better!

Zwei EPs können die beiden Soundtüftler Joel Karlsson und Henrik Markstedt von Air France aus Götheborg bereits zu ihrer Diskographie zählen. Nach der “On Trade Wings EP” im Jahre 2006 folgte in diesem Jahr die ”No Way Down EP”, welche nicht zu Unrecht von Pitchfork mit dem “Best new music“-Stempel versehen wurde. Ein Album der beiden Schweden scheint allerdings noch immer nicht in Sicht. Ein Grund, die beiden EPs zusammen für euch nochmals ein wenig genauer unter die Lupe zu nehmen.

Ein gesetzter, perkussiver Beat und verträumte Synthieflächen bilden die “Introduction“ von “On Trade Wings”. Nicht lange lässt mit “Karibien“ der erste unausweichliche Motivationsschub für das Tanzbein auf sich warten. Hallende Bläsersamples und die sanfte, in den Hintergrund gemischte Stimme von Gastsängerin Elisabet Sjörgen zeichnen ein klares Bild der Kulisse, in die Air France ihre Hörer für mindestens vier Songs versetzen. Ein lupenreiner jamaikanischer Sandstrand, die Nacht ist sternenklar. Ringsherum brennen Fackeln. Manche tanzen ausgelassen zu den treibenden Rhythmen, andere machen es sich auf einem der zahlreichen Hängematten gemütlich und schauen in die Tiefe des Himmels. Müsste ein Begriff die Musik der beiden Schweden prägnant beschreiben, so wäre es wohl am ehesten der auf den ersten Blick paradoxe “Ambidance“. Entspannung und Rhythmus bilden hier eine perfekte Symbiose. Die Steeldrums der “Beach Party“ tragen ihren Teil zur ausgelassenen Karibiktimmung bei und schließlich schaffen die tänzelnden Klavierakkorde eines “Never Content“ den entspannt-tanzfreudigen Abschluss der schwelgerischen Vision, in die “On Trade Wings” so unwiderstehlich lockt.

Eine deutlich ernstere Note haben Joel Karlsson und Henrik Markstedt ihrem aktuellen Werk “No Way Down“ verliehen. Der atmosphärische Opener “Maundy Thursday“ würde seine Arbeit gut machen, wäre er als Vertonung des Begriffs „Krieg der Sterne“ entstanden. Nach dem düster-epochalen Auftakt bekommen Panflöten und die markanten Bläser der Vorgänger-EP in “June Evenings“ ihren zweiten Auftritt. Elisabet Sjörgens Stimme streichelt vorsichtig die Gehörgänge. Erneut taucht der Strand vor dem geistigen Auge auf, die Sterne, die tanzenden Leute und all die entspannten Gesichter. Am treffendsten fasst allerdings “Collapsing at your doorstep“ das Album in einem Sprachsample-Loop zusammen: „So like a dream. No, better!“. “No Excuses“ avanciert mit seiner verspielten Heiterkeit zum geheimen Stimmungsmacher der EP, bei der die Götheborger vermehrt Akzent auf Konzept und Homogenität gelegt haben. Bevor die EP über den loungigen Titeltrack nach 22 Minuten zu Ende geht, lassen Pferdewiehern, ausgelassen stöhnende Frauen, Vogelgezwitscher und glasklare Klaviernoten eines “Windmill Wedding“ den Hörer noch für einige Sekunden im Land der Träume. Die Sonne geht auf. Die Sterne weichen der prallen Sonne. Das nächste Fest kommt bestimmt.

7.7 / 10

8.7 / 10

Label: Sincerely Yours

Spieldauer: 13:23 / 22:44

Referenzen: The Tough Alliance, Studio, A Mountain Of One, The Embassy,Boards Of Canada, Usain Bolt

Links: MySpace, Sincerely Yours

VÖ: Dezember 2006 / Mai 2008


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