Plattenkritiken


Review: Oxford Collapse – Bits (2008)

Whatever happened to Indie Rock

Während dieses immer schon mehr als schwammige Genre, das in den 80er-  und 90er-Jahren Rockmusik von dämlichen Machoposen befreite und dafür mit einer gehörigen Portion DIY-Geist und Hang zu spinnerten Experimenten versah, in der medialen Wahrnehmung via O.C.-California, Pete Doherty und diversen Retro-Trends mittlerweile vollständig auf enge Hosen und irgendwie schief sitzende Frisuren reduziert wurde, existiert etwas abseits des ganz großen Rummels, gerade in letzter Zeit soviel gute Musik wie…, ja eigentlich hat das ja nie aufgehört, oder? So orientierten sich in diesem Jahr unter anderem schon Alben von Tapes ’n’ Tapes, Times New Viking oder No Age klar an alten Helden wie Sonic Youth, Sebadoh oder Guided by Voices, ohne dabei auch nur ansatzweise altklug zu klingen oder in Nostalgie zu verfallen.

So auch die hier: Oxford Collapse, drei Jungs aus Brooklyn, New York, mit ihrem insgesamt vierten und dabei zweiten Album für Sub Pop. Erst mal ist der Hörer irritiert, denn das Album beginnt ganz Schweine-Rock-kompatibel mit Motorengeheul und quietschenden Reifen, doch der dann folgende Opener „Electric Art“ mit der unwiderstehlichen Hookline (“I can remember things/ I just don’t know what to do”) zeigt dann schnell in welche Richtung es hier gehen soll. 13 vor Euphorie sprühende, fröhlich vor sich hin rumpelnde Songs, nicht mehr ganz Lo-Fi aber auch weit entfernt von überproduziert, selten über drei Minuten und allesamt ausgestattet mit Melodien, mit denen – ordentlich Startbudget und gut vermarktbares Drumherum mal vorausgesetzt – in den Formatradios dieser Welt auch heute noch eine ganze Menge Geld verdient werden könnte. Doch das ist selbstredend nicht das Ziel dieser Band.  Dabei ist sich die Band an keiner Stelle zu schade, die Eingängigkeit der Lust am ungestümen Lärmen und anderen lustigen Spielereien zu opfern. Die Bandbreite auf „Bits“ reicht von faustreckenden Pop-Punkern wie besagtem „Electric Art“ und dem fantastischen „Young Love Delivers“ über das nur vom Straßenmusikantencello begleitete Kleinod „A Wedding“ in der Mitte des Albums bis hin zu „B-Roll“, der großen kleinen Hymne am Ende, Indie-Chor inklusive. Nur der abschließende, an Kollegen wie die Two Gallants erinnernde Punk-Blues „I Hate Nobody“ will sich dann nicht mehr so recht in den Gesamtkontext des Albums einfügen und wirkt etwas deplatziert.

Zugegeben, so wirklich neu, so wirklich anders ist das hier, wie so oft, nicht. Man denkt an die Pixies, man denkt an Dinosaur Jr., man denkt an Pavement (sogar ziemlich oft) und jedes Jahr erscheint doch mindestens eine Handvoll Alben, die genauso klingen. Drauf geschissen, die Zeiten in denen noch nicht alles, was man mit einer Gitarre anstellen kann, angestellt wurde, sind wohl eh endgültig vorbei und dieses Album hat alles was es braucht, um jede Menge Herzen höher schlagen zu lassen, ohne dass dabei faule Kompromisse eingegangen werden. Und auch auf die Gefahr hin, jetzt irgendwie konservativ zu klingen, ist die Hoffnung doch groß, auch in Zukunft jedes Jahr mit zumindest einigen guten altmodischen Indie-Rock-Platten beschenkt zu werden, wenn diese dann so klingen wie Oxford Collapse hier und jetzt.

8.0 / 10

Spieldauer:: 38:52

Label: Sub Pop / Cargo

Referenzen: Pavement, Pixies, Dinosaur Jr., Modest Mouse, Tapes ’n’ Tapes, Sebadoh

Links: Homepage, Sub Pop, MySpace

: 08.08.2008


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