Es war einer dieser Songs, an dessen Schönheit jeder zu zerbrechen drohte: „Funeral“. Die erste Minute ihres Letterman Auftritts soll an dieser Stelle als Verweis genügen. Vor etwas mehr als zwei Jahren begann das Märchen um die Band mit dem vorerst nicht wirklich vielversprechenden Namen Band Of Horses.

Anfangs machte sich das Gefühl breit, es könne sich evtl. um ein One-Hit-Wonder handeln. Förmlich in den Hintergrund gedrängt wurden viele Songs neben dem so zauberhaften vierten Track. Es ist wohl die Ironie des Schicksals, dass Du in dem Moment der Veröffentlichung einer solchen „Perle“ eben auf diese reduziert werden kannst. Dabei ist die LP an sich ja die große Chance der Einbettung eines solchen Songs. Dem gesamten Musikkosmos der Band auf die Schliche zu kommen bedarf eben einer gewissen Zeit. Heute gilt Everything All The Time zurecht als ein Meisterwerk. Mit fortlaufender Dauer kristallisierte sich eben doch heraus, dass scheinbar jeder Song diese märchenhafte Stimmung in sich trägt. Aber was ist wirklich märchenhaft an dieser Band? Können Buchstaben überhaupt ausdrücken was sich beim Hörer für ein Gefühl breit macht, wenn er den einzelnen Songs lauscht?

Die nur scheinbar leichte Kategorisierung ihrer Musik ist auch auf ihrem Zweitwerk Cease To Begin Programm. Es dauert keine Minute, dann hat einen der so simpel wirkende Opener „Is There A Ghost“ gefangen. Es ist schon genial, welch nachhaltige Wirkung selbst die eingängigsten Refrains hinterlassen. Es muss also mehr dahinter stecken: Der nächste Versuch der Beschreibung ihrer Musik fußt auf dem Vergleich mit den legendären Built To Spill. Parallelen sind sicherlich nicht wegzudiskutieren, allerdings ist die Stimmung eine andere. Ja, Band Of Horses machen ebenfalls Indie. Ihr Hauptaugenmerk liegt dabei allerdings viel mehr im Ausdruck ihrer Gefühle. Diesen Kontrast zwischen der zum Teil schnelleren, fast fröhlich wirkenden Instrumentierung und der tief sitzenden Trauer, die in ihren Songs vorkommen, haben in dieser Zeit sonst wohl nur noch die Wrens geschafft. Wobei diese schon einen Schritt weiter waren, in der Phase der Resignation sozusagen. Es ist die so unglaublich phantastische Art und Weise, wie Zeilen wie „The world is such a wonderful place“ beim Hörer ankommen. Manchmal meint man den Geist Sven Regeners über allem schweben sehen zu können. Das direkt nachfolgende „La Da Di Da Da“ könnte ironischer und beißender nicht klingen. Der perfekte Soundtrack für die bald anstehende Herbst-und Winterdepression sozusagen. Wie dicht Schönheit und Trauer doch beieinander liegen. Oder zwangsläufig zusammengehören? Der Blick fällt auf die der CD beigelegten Bilder. Das Ohr lauscht dem letzten Song der Platte. Hach, wie verstanden man sich fühlt: „I´ve been a fool„.

Da fällt es auch nicht negativ auf, dass sich die Band nicht sonderlich verändert hat. Vielmehr ist ihr diese irre Hitdichte innerhalb von nur 18 Monaten hoch anzurechnen. Es ist ein weiteres Mal gelungen, einen Hit an den anderen zu reihen. Liebevoll eingebettet in das große Ganze, die LP. Wieder geht der Blick in Richtung der Bilder. Eines scheint besonders haften zu bleiben. Zu sehen ist ein Baum. Er trägt nur noch wenig Grün. Der Himmel ist gelb. Es wird 16 Uhr sein, die Sonne gleich untergehen. Einen Moment kann man diese wunderschöne Stimmung für sich gewinnen. Wohl wissend, dass die Dunkelheit mit aller Macht ihren Weg gehen wird. Ein kleiner Lichtblick sozusagen. Oder die Symbiose aus Schönheit und Trauer. Vielleicht zumindest die Chance auf eine sternenklare Nacht… Dann horcht das Ohr wieder der Musik: „And why did we live so long“? Gute Frage. Auf jeden Fall aber ein völlig neuer Ansatz, ein Märchen ausklingen zu lassen..

8.0 / 10

Label: Sub Pop / Cargo

Spieldauer: 35:08

Referenzen: The Wrens, Built To Spill, The Flaming Lips, My Morning Jacket, Neutral Milk Hotel

Links: Homepage, MySpace

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