Plattenkritiken


Review: Fleet Foxes – Sun Giant EP (2008)

Er ist von Beginn an da. Einem kurzen Atemzug folgen die ersten Zeilen von „Sun Giant“: „What a life I lead in the summer, what a life I lead in the spring, what a life I lead in the winded breeze.” Sofort füllt Robin Pecknold, Sänger der Fleet Foxes, den gesamten Raum mit seiner unglaublich warmen Stimme aus. Er benötigt dazu kein Instrument. Mehr als eine Minute verstreicht ohne jegliche musikalische Unterstützung. Es ist der wohl optimal gewählte Anfang einer EP, die zwar als Appetizer für das darauffolgende Debut-Album seinen Sinn durchaus nicht verfehlt, trotzdem als eigenes und vor allem eigenständiges Werk zu betrachten ist. So wird der Hörer anfangs behutsam auf die kommenden Minuten vorbereitet. Erst nach einiger Zeit gesellen sich äußerst vorsichtig und nacheinander die Instrumente hinzu. Ohne die Chance, es bewusst zu realisieren, befindet man sich allerdings schon mitten im wunderbar liebevoll erzeugten Spannungsbogen der Platte. „Drops in the river“ steigert sich zielbewusst, lässt auch der Gitarre zum ersten Mal seinen Platz, ehe sich der Song nach zahlreichen Wendungen leise verabschiedet und den rockigeren Songs „English House“ und „Mykonos“ Platz macht, bevor mit „Innocent Son“ das logische Ende folgt: Ein leise vorgetragener Song, der natürlich am Ende ohne Instrumente auskommt und der Band nicht nur einen überaus würdigen Abschied bietet, sondern die direkte Verbindung zum Opener herstellt.

Allein in diesen fünf Songs wird auf imposante Art und Weise deutlich, wozu die Band aus Seattle imstande ist. Stark orientiert an den 60er Jahren und sicherlich beeinflusst durch Love, den Beach Boys oder Dylan, benötigen sie keine Soundexperimente, sondern erfreuen sich so sehr an den traditionellen Instrumenten, dass diese irgendwann von selbst zu spielen beginnen scheinen. Als Dank sozusagen. Wem das immer noch nicht reicht, der achte bitte in „Mykonos“ auf den Break nach etwas mehr als zwei Minuten. „Brother you don´t need to turn me away“. Unfassbar! Wer dann noch einen Sänger hat, der ein ums andere Mal mit seiner bloßen Stimme Gänsehautschübe verursacht, hat sicherlich alles richtig gemacht und nicht nur unbestritten ein ganz wichtiges Statement für die Musikwelt abgegeben, sondern gleichzeitig eine völlig eigene Klangwelt erschaffen. Eine Traumwelt. So lässt einen das Gefühl nicht los, sich auf einer Kutschfahrt zu befinden, auf dessen Reise der Kutscher erst einige Melodien vor sich hin säuselt, die dann, je weiter man sich dem Marktplatz nähert, von Menschen und deren Lauten und Geräuschen untermalt werden. Nach einigen Gesprächen mit Freuden wurden noch schnell die wichtigsten Utensilien für das Wochenende besorgt und ohne die Chance, lange verweilen zu können, treten die Pferde auch schon den Rückweg an. Die Töne verlieren sich nach und nach wieder in der bunten Frühlingslandschaft. Am Ende stehen sogar die Pferde für einen Moment still und wollen dem Kutscher bei seinen letzten Zeilen nicht stören. Und wir? Lagen verträumt daneben und waren so gefangen, dass wir auf dem ganzen Weg nicht ein einziges Mal die Augen öffneten. Gut, dass morgen wieder Markttag ist…

8.7 / 10

Label: Cooperative (Universal)

Spieldauer: 18:53

Referenzen: Band of Horses, Love, The Beach Boys, The Beatles, My Morning Jacket


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