RomareLove Songs: Part Two

Wer das musikalische Jahr schon abgeschlossen und die Hitlisten vorgefertigt in der Schublade liegen hat, wird für Romares einstündige Ode an die Liebe noch einmal umdisponieren müssen. „Love Songs: Part Two“ ist das zweite Album des Produzenten nach dem hochgelobten „Projections“ und die Fortsetzung der EP „Love Songs: Part One“ von 2013. Unberührt und unbeeindruckt von etwaigen Erwartungen setzt Romare seinen Durchmarsch drei Jahre später einfach fort. Und wie.

Irgendwo zwischen Nicolas Jaar, James Blake und Weval wogt „Who To Love?“ aus den Boxen. Anfangs besteht der Track aus nicht mehr als einem Vocal-Loop, einem Clap-Beat und vereinzelten Synthesizertupfern – Minimalismus at its best. Noch dazu klingt dieser Albumbeginn aber alles andere als simpel, sondern ausgeklügelt bis in die Millisekunden. Und so geht es weiter auf „Love Songs: Part Two“, ein Groove jagt den nächsten, ein Beat hat mehr Funk als der vorige.

Romare greift tief rein ins Zutatenregal, ganz nach dem Motto: „Einmal alles bitte!“ „Je T’aime“ bedient sich eines satten, unnachgiebigen Basses und einer Ohrwurmhook, „All Night“ Boogie-Versatzstücke und Congas und „L.U.V“ poppig-cheesiger Gesangspassagen – um nur einige Tracks herauszupicken, denn keine der zehn Nummern fällt qualitativ ab. Gerade wenn zum Beispiel nach „Honey“ der Vorrat an Smoothness endgültig aufgebraucht scheint, haut Romare mit „Come Close To Me“ wie selbstverständlich den nächsten Killergroove raus und lässt anschließend noch mühelos den schier unendlichen Achtminüter „Who Loves You?“ los.

Wenn Liebe immer so wäre wie ein Romare-Track, könnten die Seifenopern, Klatschblätter und Ratgeberverlage dieser Welt kollektiv dicht machen. Zumindest 58 Minuten lang lässt Romare diese Vorstellung in greifbare Nähe rücken. „Love Songs: Part Two“ sticht nämlich nicht nur durch seine astreine Produktion hervor, sondern vor allem durch eines: Das Zuhören macht unglaublich viel Spaß. Romares zweites Album klingt frisch, unkonventionell ohne jegliche Scheu vor Genregrenzen oder Rezeptvariationen, sexy, locker, leicht und unangestrengt. Vor allem unkompliziert: Es gilt keine kryptischen Beats zu entschlüsseln, sondern einfach nur, sich eine Stunde lang dieser elektronischen Virtuosität hinzugeben. Liebe kann so einfach sein.

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