Adam TorresPearls To Swine
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Label:
Pias UK / Fat Possum
VÖ:
09.09.2016
Referenzen:
Jackson C. Frank, Kevin Morby, Damien Jurado, Jeff Hanson, Mutual Benefit
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Autor: |
| Carl Ackfeld |
Herbstmusik. Kaum eine Jahreszeit lässt sich so deutlich musikalisch charakterisieren: Nebelschwaden, fallende bunte Blätter und Regentropfen oder eben Kaminfeuer, wärmende Getränke und Kerzenschein. Auch beim Genuss von „Pearls To Swine“ lassen sich manche dieser saisonal bedingten Begleitumstände nicht von der Hand weisen.
Wenn männliche Songwriter ein hohes oder gar noch höheres Gesangsorgan ihr Eigen nennen, kann das bei der Interpretation ihres Liedguts nicht selten wahlweise ins Weinerliche oder Kitschige abdriften. Adam Torres hat seine Stimme diesbezüglich im Griff. Der aus Austin, Texas stammende Musiker hat vor einiger Zeit bereits mit den Alternativ-Folkern von Southeast Engine musiziert und vor ziemlich genau zehn Jahren auch ein erstes Soloalbum veröffentlicht. „Pearls To Swine“ kann somit gelinde gesagt als Neuanfang gesehen werden, der – soviel sei vorweg genommen – sehr gut funktioniert hat. Gemeinsam mit diversen Kollaborateuren (unter anderem dem derzeit viel beschäftigte Thor Harris) sind neun Folksongs entstanden, die so herbstlich wie pastoral, aber auch historisch und zeitgemäß klingen.
Das bedächtig schaukelnde „Outlands“ fungiert dabei in etwa als Mittelwert dessen, was Torres gefühlsmäßig und klanglich zu leisten vermag. Sanft schaukelt sich ein luftig trabender Takt in den Vordergrund, Torres lässt seine Stimme beseelt und entspannt in die Ferne schweifen und zwischendurch drehen Gitarrenzupfer und Violinentränchen so ihre Runden. Die ohnehin aussagekräftige Stimmfarbe bekommt hier durch die zwar warme, aber eben auch reduzierte Instrumentierung Beschaulichkeit und Sanftmut anhand gestellt, was das darauf folgende „Where I’m Calling From“ in melodiöser Form noch zu verstärken weiß. Ohnehin strotzt „Pearls to Swine“ nur so vor Melodiebögen, die vor allem zu Beginn von streichelnder Melancholie durchzogen sind.
Besonders schöne Beispiele finden sich zum einen im eröffnenden „Juniper Arms“, dessen Wiegenlied-Charakter durch die verschleppten Rhythmen und die zum Himmel strebenden Worte Torres‘ deutlich verstärkt werden, zum anderen aber auch im wundervollen, leicht im Tempo anziehenden „Some Beast Will Find You By Name“. Hier lässt Torres seine Stimme Schleifen schlagen, man fühlt sich so mit sich selbst im Einklang und möchte beseelt den herbstenen Himmel in den schönsten Farben bemalen. Leicht erhöhtes Tempo findet sich auf „Pearls To Swine“ ansonsten nur noch im an Jackson C. Frank erinnerenden „Mountain River“. Hier beschleunigt der Musiker sein Gitarrenpicking und singt mit beschwingter Leichtigkeit wie ein zu Tal purzelnder Gebirgsbach.
Man könnte Torres vorwerfen, dass er es sich sehr in seiner Komfortzone gemütlich gemacht hat, denn trotz aller kurzweiligen Finessen überwiegen doch die nach Kerzenwachs duftenden Balladen. Ein wenig mehr Schwere im Vortrag oder eine unverhoffte Prise mehr an Heiterkeit, wie es einzelne Songs vormachen, hätte hier und da nicht geschadet. Dass sich „Pearls To Swine“ dennoch einen Platz unter den bevorzugten Herbstalben sichern kann, dafür muss sich Torres ein ums andere Mal bei seiner herausragenden Stimme bedanken.


