Marielle V JakobsonsStar Core
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Label:
Thrill Jockey
VÖ:
22.08.2016
Referenzen:
Golden Retriever, Suzanne Ciani, Eluvium, Kaitlyn Aurelia Smith, Date Palms
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Autor: |
| Uli Eulenbruch |
Hooks sind nicht gerade etwas, das man in loopiger, beatlos schwebender Ambientmusik primär sucht. Beim Durchklicken auf Bandcamp oder anderen Angeboten durch ein Dutzend beliebige Alben wird im Schnitt vielleicht eines darunter kompakte Melodien herausarbeiten, viel häufiger aber aus der Zerstreckung und Schichtung markant texturierter Einzelnoten seine Wirkung beziehen. Kompakt kann man auch die Tonmuster auf „Star Core“ nur selten nennen, dennoch beweist Marielle V Jakobsons mit ihrem zweiten Soloalbum ein formidables Gespür für harmonische Bewegung, die sich einprägt.
Den Rahmen dafür legt ihr analoger Synthesizer. Ein Spiel aus Licht und Schatten entfaltet sich in „The Beginning Is The End“ zwischen Bassdrone, gedimmten Orgelhöhen, blinkendem Zweiton-Arpeggio und auch gelegentlichem Vogelzwitschern. Eingewoben darin ist Jakobsons’ eigene ausgedehnte Stimme, deren Schmelz vom hölzernen Raunen einer Flöte verstärkt wird. Es ist jedoch nicht der Gesang, der dem Stück von der ersten Sekunde an sein Leitmotiv gibt: Die mal ausgedehnten, mal schnell geschwungenen Holzbläsertöne weben eine verhalten optimistische Meditation nahezu unbeirrt von den tonalen Wendungen und Verdichtungen um sie herum, die dennoch gleichzeitig mit ihnen im Dialog stehen. Die verschiedenen Klangelemente sind nicht nur aufeinander geschichteter Volumeneffekt, sie greifen und wirken ineinander.
Die Kompositionen der Sounddesignerin entwickeln sich freier als ein Formatsong, doch ihre Melodik ist die besondere Qualität und Impulsgeberin von „Star Core“. Im eröffnenden „White Sparks“ verengt sich unter Streicherzirren ein glockenartiges Klimpern, beginnend als prezios vereinzelte Anschläge und im nebligen Ende als phantomhafter Tonlauf umherschwirrend. Am Ende des Albums, über dessen Verlauf Jakobsons den Lebenslauf einer Sonne nachzeichnet, ist in „The Sinking Of The Sky“ wenig mehr als nachhallende Basszüge und ein quäkiges Arpeggio auszumachen. Keine bombastische Explosion kündet vom langsamen Ausglühen des Himmelskörpers, dafür stimmt ein Wechselspiel von jeweils zwei Flöten und Geigen ein elegisches Doppelduett an, während der Bass im Hintergrund graduell verstummt. Auch die Streicher verschwinden, ein letzter Drone klingt nach, die Flöten vollziehen ihre letzten langgezogenen Atemzüge.
Im Titelstück legen Synthesizer zunächst die kosmische Grundlage, flimmern und flickern brummen wie hörbare Abbilder ferner galaktischer Licht-, Ton- und Strahlungswellen, doch Jakobsons’ Kunst läuft nicht nur in dieser einen Richtung. Neben ihrer Klangforschung entwickelt die Amerikanerin auch ein visuelles Instrument, das Bewegtbilder aus Wasser und Licht anstelle von Tönen generiert – somit ist sie von fern entlegenen Lichtkörpern inspiriert, während sie wiederum selbst neue Lichtgebilde entwickelt.


