POLIÇA, quo vadis? Der famose, dunkel schattierte Pop der ersten beiden Alben zog unstete Schlieren, war von Effekten jeglicher Couleur überzeichnet und wusste doch oder auch gerade deshalb zu überzeugen. „Give You The Ghost“ und „Shulamith“ verbreiteten eine sich der Erlösung hinwendende Sogwirkung und konnten gerade deshalb auch mit einzelnen gehaltvollen Songs überzeugen. „United Crushers“ beherbergt ähnlich starke Stücke, denen auf das erste Ohr jedoch deutlich weniger Unbehagen anzumerken ist.

Es ist ein rhythmisches, deutlich mehr beatlastiges Gerüst, das auf „United Crushers“ auffällt. „Someway“ lässt den angedeuteten Sphärenklang der Vorgänger hinter sich, ohne weniger geheimnisvoll zu sein, doch pocht und klappert es über alle Maßen und lässt Zwischenräume entstehen, die den intimen und bangen Gedankenspielen Channy Leaneaghs eine neue Qualität der Beklommenheit verleihen: „Some way high, wanna feel it, get inside.“ POLIÇA gehen dahin, wo es weh tut, doch merkt man es nicht im ersten Moment. Glitzernde Scheinwelten sind es, die „United Crushers“ dominieren und denen die Melancholie in Leaneaghs Stimme Nährboden bieten. Soziale Missverhältnisse, innere Grenzen, Ungerechtigkeit – die Band schafft es, klaustrophobisch und gleichzeitig druckvoll zu sein, was vor allem an den deutlich stärker ausformulierten instrumentalen Bausteinen liegt. Das entschleunigte „Lately“ blubbert und schleppt sich wie ein Portishead-Klon an sirrenden Synthies vorbei, das irgendwo aus dem Nebel des Post-Dubstep auftauchende „Fish“ braucht dagegen gar nicht viel Brimborium, um ganz in der Nähe früherer Massive-Attack-Großtaten zu wandeln.

Vieles spielt sich auf „United Crushes“ im Kopf ab. „Berlin“ ängstigt mit geisterhafter Stimmungslage und baut sich nach und nach wie ein silbrig glänzender Patronus vor dem inneren Auge auf, schützend und doch in seinem verletzlichen Vortrag auch Schutz suchend. Danach bleibt es zwiespältig, denn auch das überzeugende und mit gewissem Suchtpotential ausgestattete „Baby Sucks“ spielt mit den Gefühlen. Die berauschende Musikalität gaukelt Stärke vor, die Rhythmik Unbeschwertheit, die lasziven Bläser gar ausgelassene Feierfreude, doch Leaneagh lässt kein Licht in ihre dunklen Gedanken: „I don’t need your money, I don’t want to know who you know. All my dreams they died locked up, giving you less with each note.“

So ganz schlau wird man aus „United Crushers“ nicht, denn auch der wahrscheinlich beste Song „Lime Habit“, der so schön frühlingshaft tanzbar klingt und doch so Unheilschwangeres heraufbeschwört, spielt mit den Gefühlen: „I’m a loss of faith, you’re a changed belief, scored the goods for my baby, it’s enough“. Doch damit nicht genug, denn neben den ganzen eher unpersönlichen Missständen werden POLIÇA zum Schluss in „Lose You“ so intim wie nie („What’s to lose, what’s to lose, just you!“) und verbergen es hinter einer geschmeidigen, jedoch schon ein wenig angerauten Popfassade.

Das fröstelnde Unbehagen wächst mit jedem Durchgang des Albums und lässt „United Crushers“ gerade deshalb in einem facettenreicheren Licht scheinen als die Alben zuvor. Mag sein, dass sich die Band ein wenig zu pessimistisch über das Werden der Welt Gedanken macht, doch kann man sich der damit einhergehenden Faszination der Betrachtung nur schwerlich entziehen.

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