LION BABEBegin

Produzent Lucas Goodman und Sängerin Jillian Hervey, Tochter von Schauspielerin und Sängerin Vanessa Williams, ergeben zusammen LION BABE. Hervey – eigentlich tiefgehend dem Tanzen verschrieben – traf auf einer College-Party auf Goodman, der dort unter dem Namen Astro Raw auflegte und mit seinen selbstproduzierten Beats direkt für eine gemeinsame Gesprächsgrundlage sorgte. Einige Jahre später kam ein erneuter Kontakt zustande, da Hervey sich für einen Tanzprojekt-Soundtrack an Goodman wandte: Die Geburtsstunde des gemeinsamen Projektes. Im November 2012 veröffentlichten sie auf Soundcloud ihren ersten gemeinsame Track „Treat Me Like Fire“, der auf einem Sample von Eunice Collins‘ „At the Hotel“ aus den 70ern basiert.

Neben dem zeitgenössischen Alternative R’n’B, der sich unter anderem mit Künstlerinnen wie BANKS oder Kelela immer mehr in Richtung futuristischen Trip-Hops entwickelt, bereichert das New Yorker Duo mit seinem neo-souligen Debütalbum „Begin“ den großen R’n’B-Pott um einige konventionellere Sounds. Während sich der flimmernde Eröffnungstrack „Whole“ mit anorganisch scheuernden Claps und repetitiven Vocals weitestgehend elektronisch gestaltet, wird direkt im anschließenden „Jump Hi“ sichtbar, wie facettenreich „Begin“ ist. Eingeleitet durch ein Sample, folgt im Zusammenspiel mit Herveys souliger Stimme – deren häufig angeführter Vergleich mit Erykah Badus übrigens absolut gerechtfertigt ist – ein klassisch populärmusikalisch aufgebauter R’n’B-Song, der schließlich durch die Rap-Passage von Donald Glover alias Childish Gambino ergänzt wird. Das ganze Arrangement erinnert etwas an guten alten Old-school-HipHop. Ganz getreu dem Motto „Back to the roots“ finden sich auch sehr funkige und originelle Discosongs auf der Platte wieder, wie etwa „Where Do We Go“ oder „On The Rocks“. Traditionell gestaltete Slow-Jams sind hingegen „Jungle Lady“ oder „Satisfy My Love“.

Getreu der geläufigen Assoziation eines Löwen mit Überlegenheit, Mut und Stärke präsentiert sich Hervey nicht nur in Videos oder Liveauftritten als selbstbewusste junge Frau mit eben jenen Charakteristika, sondern lässt diese Eigenschaften auch in das Songwriting einfließen. Selbstüberzeugt heißt es bei „Wonder Woman“: „Oh I got power, pisces sign/ They shouted me: ‚Watch out behind!‘/ They can’t catch me, I’m too strong/ They all want what I got, never leaving me alone“. Als unerreichbar und unzähmbar beschreibt sich Hervey im stürmischen „Impossible“. Dem entgegengesetzt bildet das entschleunigte „Little Dreamer“ das Schlusslicht des Albums mit wattig-versunkenem, verträumten Gitarrenspiel und nebeligem Synthesizer.

„Begin“ ist ein sehr vielschichtiges Album, das sich größtenteils brav an bekannte Muster hält und, wie der Name vermuten lässt, die Anfänge von HipHop, R’n’B, Soul und Funk anknüpft. Dabei wirkt das Album an keiner Stelle verstaubt oder abgenutzt, viel eher zeitlos. Liebhaber innovativer Klangexperimente werden damit vielleicht nicht viel anfangen können, Freunde von originellem R’n’B in seinen verschiedenen Subgenres finden jedoch ein abwechslungsreiches Popalbum vor – mit dem einen oder anderen Nostalgiemoment inbegriffen.

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