Jesu & Sun Kil MoonJesu/Sun Kil Moon
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Label:
Caldo Verde
VÖ:
22.01.2016
Referenzen:
Low, Have A Nice Life, Sparklehorse, Mount Eerie, Alcest, Scott Walker & Sunn O))), Portishead
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Autor: |
| Felix Lammert-Siepmann |
Spätestens mit „Possum“ aus Mark Kozeleks letztjährigem Werk „Universal Themes“ konnte man sich berechtigte Hoffnungen machen, dass er und Justin K. Broadrick irgendwann zusammenfinden würden. Dort beschreibt er ein Godflesh-Konzert in San Francisco unter anderem mit den eindringlichen Worten „Like a car off a cliff, we crashed and burned over and over and again and again“ – eine Lobpreisung, wie sie exklusiver nicht sein könnte. Und eine, zu der nichts widersprüchlicher sein dürfte als die Erfahrung eines Gigs von Sun Kil Moon. Etwas dröge, etwas phlegmatisch und auch darüber hinaus nicht gerade mitreißend wurden Kozeleks Auftritte im letzten Jahr beschrieben. Was daneben noch blieb, waren Kozeleks Worte, fest in Stein gemeißelt und immer deutlicher das Hauptinstrument.
Ansonsten sind sich die beiden eigentlich gar nicht so unähnlich. Nur zwei Jahre liegen sie im Alter auseinander, beide sind Meister der Entschleunigung, beide sind gewiss Eigenbrötler und wenn jemand behauptet, beide hätten ihren künstlerischen Zenit mittlerweile überschritten, muss man ihm zwar nicht zustimmen – eine Gegenrede darauf zu halten, wäre aber auch nicht unbedingt leicht. Die Wahl ihrer Mittel hin zur Entschleunigung und Isolation unterschied sich bisher freilich immer. Während Broadrick immer noch eine Schicht drauflegt, scheint sich Kozelek entgegensetzt immer weiter zu reduzieren.
Die Aufgabe, auf Albumlänge gemeinsam zusammenzuarbeiten, dürfte unter diesem Blickwinkel also eine große Herausforderung gewesen sein. Herausgekommen ist dann auch kein homogenes Werk, wie man es von den jeweiligen Soloplatten der beiden gewohnt ist, sondern eine Ansammlung von Ansätzen, wie man sich am besten annähern kann. Diese lassen sich grob in drei Gruppen unterteilen: Die dominierende dürfte auch die kontroverseste Herangehensweise sein. Fast so, als hätten die beiden ohne große Absprache ihre Spuren eingespielt, liegen diese in etlichen Songs gewöhnungsbedürftig fragil und auf den ersten Blick ohne größeren Zusammenhang übereinander. Das wirkt im ersten Moment furchtbar uninspiriert oder gar unfreiwillig komisch, mittelfristig entfaltet es aber seine Wirkung. Broadricks Wucht und Kozeleks Bariton ziehen sich in diesen Momenten wie magisch an, egal ob die Umgebung harmonisch wirkt oder nicht.
Die zweite Gruppe von Songs könnte mehr oder minder so auch unter dem Label Sun Kil Moon laufen. „Fragile“ schließt direkt an „Universal Themes“ an, aber auch „Fathers Day“ kommt trotz einiger elektronischer Spielereien noch so reduziert daher, dass man davon ausgehen kann, dass Kozelek ihn schon vorher in der Schublade hatte. Und dann gibt es noch die Songs, in denen die Zusammenarbeit erst richtig offenbar und auf die Spitze getrieben wird. Im mächtigen „Carondelet“ und im verschlurften „Sally“ singt(!) Kozelek wahlweise mit oder gegen Broadricks hartnäckigen Shoegaze an. Das große Potential, das sich schon zuvor andeutete, bestätigt sich beeindruckend.
Dass Broadricks Klanglandschaften sich geschmeidig an alle möglichen äußeren Umstände anpassen können, war abzusehen. Doch wie gut Kozeleks Mitwirken – abgesehen von einigen wenigen fremdelnden Augenblicken – zur Geltung kommt, ist schon eine kleine Überraschung. Teilweise tönt „Jesu/Sun Kil Moon“ wie die Fortsetzung von Kozeleks Red House Painters. Seine Erzählungen werden nicht mehr nur von kargen Klängen begleitet (was sicherlich auch reizvoll war), es gesellt sich oft eine dichte Untermalung dazu, die den Worten noch einmal eine ganz andere Bedeutung verleiht.


