RabitCommunion

Eric Burton alias Rabit zerstückelt Musik. Auf seinem Debütalbum „Communion“ extrahiert er Essenzen aus Grime und düsterer Elektronik. Industrielle Klangfetzen, körperlose Angstschreie, technoides Flirren – was zunächst zusammenhanglos wirkt, verschmilzt zu einer nervenzerfetzenden Dystopie der Musik.

Ganz selten ertappt man „Communion“ dabei, Strukturen oder gar wiederkehrende Rhythmen zu erschaffen. Zumeist lässt Burton seine Beats ohne Rücksicht auf eine höhere Ordnung nebeneinander stehen. In „Black Gates“ etwa wird zum einen ein giftiges Zischmotiv in so vielen verschiedenen Tempovariationen angeboten, dass die scheinbar ungeordnete Bassbegleitung zunächst völlig bezuglos im Raum steht. Das eröffnende „Advent“ gibt zwar eine sich leidlich regelmäßig wiederholende Begleitfigur vor, doch schon nach wenigen Sekunden stürzen Töne wie zersplitterndes Glas in die Szenerie und sorgen für Verstörung und Unheil.

Burton schert sich nur selten um etwaiges Nachverfolgen seiner Ideen, wie böswillige Heckenschützen pirschen sich die metallenen Akzente hinter den angerissenen Soundflächen heran, nur um kurz darauf von der heranstürmenden Meute aus Geräuschen niedergemacht zu werden. Er unterbricht einzelne Sequenzen vorsätzlich, gibt Tracks wie dem martialischen „Fetal“ durch eine einzelne Snaredrum einen erschreckend militärischen Anstrich, der durch das geheimnisvoll hauchige Glockenspiel noch angsteinflössender erscheint.

Nichts auf „Communion“ lässt einen innehalten, selbst die seltenen Pausen lassen eher eine unruhige Beklommenheit zu. „Ox“ zerfetzt die ohnehin schon beängstigen Klangsalven von Portisheads „Machine Gun“ und lässt sie in einem arrhythmischen Puls zurück. Doch bereits im folgenden „Flesh Covers The Bone“ unternimmt Rabit Wiederbelebungsversuche, indem er auf einmal aufreizend plastisch den pulsierenden menschlichen Herzschlag einflicht. Von nun an hätte es bergan gehen können, doch reißt er das letzte Quäntchen Seelenheil mit „Pandemic“ ein, einem Track, der wie das viel zu schnelle Hin- und Herschalten zwischen Nachrichtensendern auftritt und schließlich in einem gewaltigen Trommelfeuer die letzte noch verbleibende Hoffnung auszulöschen scheint.

„Communion“ ist wahrlich eine Tour de Force, die dennoch nicht eines gewissen Reizes entbehrt. Rabit lässt seine Zuhörer allerdings fast ein wenig zu oft zwischen den einzelnen Soundideen zurück und gönnt ihnen zu wenig Pausen. Dass dann selbst relativ kurze 32 Minuten schon einmal zu einem ellenlangen Höllentrip werden können, beweist das Album ohne Frage. Doch manchmal ist ein bisschen Plage ja auch die Mühe wert.

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