Manchmal kommt es vor, dass die aufwendige Produktion das Elementare hinter einem Album versteckt: die Songs und den Menschen dahinter. Dennoch finden sich Perlen, die so ganz anders sind. Owen Ashworth macht schon seit den Neunzigern Musik, lange Zeit unter dem Namen Casiotone For The Painfully Alone, bevor sich der Singer-Songwriter und Multiinstrumentalist seinem seit 2012 bestehenden Projekt Advance Base widmete. Der bärtige Mann aus Kalifornien trotzt dem Klischee der „Surfermusik“ seiner Heimat und schreibt Musik, die eher in die einsame Wildnis des Nordens passt – kein Wunder, dass Ashworth mittlerweile in Chicago lebt.

Schon allein der erste Takt seines Zweitwerks „Nephew In The Wild“ lässt eine behagliche Stimmung aufkommen: Altes elektronisches Knarzen erinnert an vergangene, analoge Zeiten und es entsteht eine nostalgische Atmosphäre, die aber nicht schwermütig wirkt, sondern Geborgenheit verspricht. Was wunderbar anfängt, lässt leider schon etwas später wieder nach.

Die Musik von Advance Base zeichnet sich durch einen einigermaßen retroangehauchten Sound aus. Hier ist kein Platz für Firlefanz oder glatt produzierte Klänge – das würde der Stimmung nicht entsprechen -, es ergibt sich eine feine Ästhetik aus Lo-Fi-Produktion und Folk mit Einflüssen aus Country und Rock. Ausschlaggebend hierfür sind die tiefe Stimme Ashworths und die Grundlage aus elektrischem Klavier, Autoharp, Omnichord, Mellotron, der leichten Rhythmik eines Drum-Computers und gelegentlich sanft angeschlagener Gitarre. Keines der Spielelemente präsentiert sich als einzig Wahres, vielmehr ist jedes Teil des Ganzen und umschmiegt den unaufgeregten Bariton-Gesang wunderbar als harmonisches Instrumentenbett.

Im Grunde besteht „Nephew In The Wild“ aus einem einfachen Gerüst aus Wohlklang, einfachen Melodien und süß-traurigen, herzzerreißenden Geschichten über Einsamkeit, Angst und Vergangenheit. Eigentlich kommt man durch diese Leichtigkeit in jeden Song gut rein, doch enden diese dann fast immer schneller als man abschalten kann. Das mag ein Stilmittel sein, aber dafür, wie die Melodien einen so umschmeicheln, scheinen diese abrupten Stopps nicht gänzlich ins Arrangement zu passen. Auch wenn Song um Song eine Einheit ergibt, lassen diese unnötigen Brüche jeden dennoch für sich einzeln stehen und im Ganzen wie eine disjunkte Sammlung erscheinen.

Nach der wirklich schönen Singleauskopplung „Pamela“, die durch einen Walzertakt leicht nach vorne geht und durch mehr basslastige Tiefen neues Volumen bekommt, könnte das Album eigentlich auch vorbei sein. Zu vorhersehbar wird der Sound und man hat immer das Gefühl, Elemente der einzelnen Songs schon vorher auf dem Album gehört zu haben. Eine kleine, feine EP hätte hier sicherlich auch ausgereicht und diesen Mangel unwichtig erscheinen lassen.

Eines aber muss man Ashworth lassen: Musik schreiben kann er, die auf eine leise, aber bittersüße Art und Weise bezaubert. „You can worry about the future/ You can worry about the past/ You can worry about how long this loneliness will last” („Summon Satan“) – jedermanns Probleme, die durch das zarte, musikalische Gewand wundersamerweise an Gewicht verlieren. Manchmal ist es gar nicht so verkehrt, die eigenen Probleme kurz auszublenden und einfach nur den Moment zu genießen.

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