Sea Witch & EcferusOf Water & Wood
Ich bin devoter Fan von Sea Witch und besitze alle Musik, die die beiden Kanadier unter diesem Namen veröffentlicht haben. Selbstverständlich habe ich auch das großartige Bandshirt mit weißem Wal, Buttons und den Sea-Witch-Patch (allerdings keine Kutte, auf die dieser genäht werden könnte). Ihre Motive sehen aus wie Kupferstiche aus dem letzten Jahrhundert und bilden ab, wie Jungfrauen den tosenden Wogen geopfert werden, Freigeister über die Planke wandern oder Schoner ans Ende der Welt segeln.
Ich habe Sea Witch ihre letzte LP „The Blackened Sea“, die zwar gut war, aber irgendwie auch ein wenig nach Outtakes der beiden Vorgänger „As Above“ und „So Below“ klang, nicht sonderlich übel genommen, war aber schon ein wenig verwundert, weil sie doch bislang so viel mehr Potential erahnen ließen. Ohne Vorankündigung folgt darauf die Split „Of Water & Wood“ mit Ecferus, einem Ein-Mann-Black-Metal-Projekt aus den USA – wobei „Split“ das Wesen dieses Projektes nicht richtig trifft, wie sich spätestens an den Titeln beziehungsweise den ihnen vorangehenden Band- oder besser Konstellationsinfos zeigt.
Sea Witch eröffnen „Of Water & Wood“ mit „The Rouge“ und ich liege ihnen schon bei den ersten Klängen des Schifferklaviers zu Füßen, läute andächtig sieben Glasen mit der Schiffsglocke, stellt sich doch sofort die Magie ein, die ihre Songs auszeichnet. Das folgende „The Orbis Spike“ ist Sea Witch ft. Ecferus zugeschrieben und spätestens wenn ungefähr in der Mitte des Songs die Stimme in den Doom keift wie der leibhaftige Klabautermann, ist klar, worin das Feature besteht und es laufen mir kalte Schauer den Rücken runter.
Der dritte Song „Inherit The Debris“ ist dann tatsächlich eine Kollaboration. Hier fusionieren der Gesang von Ecferus, sein Black-Metal-typisches Tremolo und dessen Hang zum Atonalen mit dem Hosenbein-flattern-lassenden, bassigen, nautischen Doom von Sea Witch. Anschließend peitscht uns Ecferus solo mit „Upon Shoulders Of Wear“ ein wirklich dunkles Stück feinster dunkler Materie um die Ohren und setzt den Schlusspunkt dann (featuring Sea Witch) mit dem melancholischen „Mayday“, das langsam seine verhängnisvolle Fahrt aufnimmt und in kaskadierender Raserei endet.
Auf „Of Water & Wood“ haben offensichtlich zwei Projekte zueinandergefunden, bei denen 1+1=1 wird.


