Emmett Kelly scheint wenig Extraordinäres vom Leben zu erzählen haben – jedenfalls nur wenig, das nicht mit Musik zu tun hat. Wie schon sein Vater vor ihm entdeckte der Amerikaner in Kneipenrock-Bands seine Liebe zur Kunst und widmet sich ihr in einem Maße, das wenig Raum für anderes lässt. Dass er über zehn Jahre mit seinem Projekt The Cairo Gang keine ähnlich hohe Albumproduktivität erreicht hat wie beispielsweise ein Ty Segall, liegt sicher auch daran, dass er sein Können überwiegend als Session- oder Livespieler in den Dienste anderer (unter anderem Angel Olsen) stellt oder in Kollaborationen wie jene mit Bonnie “Prince” Billy steckt.

„Goes Missing” nun, eben auf Segalls Label-Imprint God? erschienen, markiert ein ausnahmslos selbstbewusstes und unverhülltes Statement Kellys. Wie ein Schleier ist die düstere und mittlerweile schon etwas überpopuläre Psychedelik, die noch das 2012er „The Corner Man” umgab, einer neuen Courage zu nur noch minimal garagigem Gitarrenpop gewichen. Es sind Popsongs, die sich in ihrer klanglichen Blöße nirgendwo verstecken können und nur subtil Effekte einflechten, wie wenn Kelly sein stimmliches Flattern in „Chains“ dehnt. Gerade dass sie so unverziert sind, verleiht in ihrer Wärme alles andere als karg klingenden Songs wie „She Do’t Want You” ein größeres emotionales Gewicht.

Im nur von Stimme und minimalen Basssaiten getragenen Cover „Some Other Time” hört man am besten, wie weit (beziehungsweise knapp) der Nachhall dieser Songs dimensioniert ist: etwas mehr als ein Badezimmer mit hoher Decke, nicht so weit wie eine kleine Kapelle. Das ebenfalls solo eingespielte „Sniper” erinnert mit seiner benebelten Drum Machine auch mal an Adam Granduciel, doch hisst Kelly besonders glorreich wie in „Be What You Are” mit Schlagstöckler Marc Riordan die Power-Pop-Flagge. Der komplexe Zwölfsaiter-Jangle klingt so goldig, als wäre Kelly gerade von seiner langjährigen Heimat Chicago nach Kalifornien gezogen (tatsächlich stellte er die letzten Songs des Albums in Los Angeles fertig), auch in „Ice Fishing” betört der Fachmann für Mehrstimmigkeit mit seinen lieblichen Gesangsharmonien.

Wo jedoch im letztgenannten Stück die Akkorde durchweg mitreißend auslegt sind, unterdrückt Kelly ihre Melodiösität wohlwissentlich. Monoton oder nur in kleinen Tonbewegungen raunt er die Strophen mehr in Spoken Word als Gesang, oder haucht einfach nur langgezogen. Den nach oben strebenden Refrain macht es dadurch nur noch effektiver. Große Geschichten mag Kelly nicht erzählen zu haben, vielmehr aber ist „Goes Missing” ein Album voller kleiner Niederlagen und Triumph, die sich in Songs wie „Heart Like Yours” als weltumspannende Belange ins Herz bohren.

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