Rolo TomassiGrievances
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Label:
Holy Roar
VÖ:
05.06.2015
Referenzen:
Converge, Jesu, Oathbreaker, Mogwai, 65daysofstatic
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Autor: |
| Uli Eulenbruch |
Konsequente Weiterentwicklung: Kratzten Rolo Tomassi am Ende ihres letzten Werkes „Astraea” schon am Himmel, betten sie nun vollends krautige Synths in ihren chaotischen Posthardcore ein. Dass sie dies nicht nur aus Jux und Dollerei wie gelangweilte Hibbelkinder ausprobieren, sondern für ihre Grenzüberschreitungen auch songwriterische Vision besitzen, zeichnet das britische Quintett auf seinem vierten Album mehr denn je aus.
So äußern sich die Jazz-Einflüsse in „Opalescent“ keineswegs als breitseitige Mathcore-Gitarrenwucht, vielmehr eröffnet das zentrale Stück mit flott federnder Perkussion, die ebenso wie das Piano für loungige Stimmung wirksam wird. Zwischendurch zieht der hierauf seinen Einstand gebende Drummer Tom Pitts auch mal die Schlagintensität an, kehrt jedoch immer wieder in Schweberäume zurück, erst im Fadeout zeichnet sich eine Eruption an – das Kraftvolle ist hier nur Abklang. „Stage Knives“, das andere um das albummittige Morricone-Instrumental arrangierte Stück, steigt hingegen erst in die Screamo-Vollen und inszeniert das beschäftigt-flächige Trommeln als zerebrale Entspannungszone zwischen schmissigen Brachialitätsauswürfen.
Prägend für den Sound von „Grievances“ sind aber vor allem die Tasteninstrumente – wenn es überhaupt einen einzigen Albumsound gibt. So greifen die kosmischen Analog-Synths in der zweiten Hälfte von „Raumdeuter“ nahezu frei von jeder Rock-Assoziation Richtung deutsche Krautvisionen der 70er, nicht minder vintage taucht mehrfach die mollig-psychedelische Wurlitzer-Orgel in den Vordergrund oder fügt sich ins Gesamtbild ein. „Funereal“ wie auch „The Embers“ setzen dazu passend unkompliziert-kompakte Rock’n’Roll-Ausbrüche zwischen ihre mathigen Breaks, ganz erhaben hingegen zieht Streicher-Grandeur über das Doppel aus „Crystal Cascades“ und „Chandelier Shiver“ auf. Es grenzt schon am Proggigen, wie fast alle Stücke ineinander übergehen, was an dieser Stelle aber auch besonders stimmig gelingt.
Manchmal kaum merklich ändert sich der Gitarrensound der Stücke, verleiht ihnen einen gewissen Eigengeschmack, welcher den jeweiligen anderen Klangelementen entgegenkommt. So wirken dann auch die Black-Metal-Tremolos zu Beginn von „Funereal“ nicht trendmitläuferisch, betreiben Rolo Tomassi doch konsequent ihre smarte Genreplünderung, um diesmal ein mindestens ebenso atmosphärisch tiefes wie emotional wuchtvolles Glanzstück zu erschaffen.


