„Shy Women“ heißt einer der Titel auf dem nunmehr dritten Album von The Weather Station und schon beim Erklingen der ersten Takte scheint dieser Name bezeichnend für das ganze Werk. Schüchtern, ja geradezu scheu und unschuldig erscheinen die Folksongs, wie aus der Zeit gefallen. Lindemans junge Stimme tut ein Übriges und rückt so ganz nah zwischen Joni Mitchell, Joanna Newsom und Jessica Pratt.

Es sind zarte, filigrane Klänge, die „Loyalty“ beherrschen, Gitarrenpickings flüchtiger als ein Morgennebel und Akkordfolgen, die einlullen und sanft in den Arm nehmen wollen. Beispielhaft ist hier das vorzügliche „Like Sisters“, das Lindemans Stimme weiträumig instrumental einfassen lässt und in weiche Federn bettet. „I Mined“ versucht sich wiederum an der weichen Psychedelik einer Vashti Bunyan ohne deren verwunschenen Märchenwaldzauber auszureizen. Vielmehr wirken die Stücke in all ihrer vordergründigen Flüchtigkeit ziemlich lebensnah und echt, ja in weiten Teilen sogar fast schon bodenständig.

Ein gewisses Glänzen erreicht „Loyalty“ vor allem dann, wenn Lindeman und die Multiinstrumentalisten Jeremy Strachan und Afie Jurvanen ein wenig an der Temposchraube drehen und es wie im eben erwähnten „I Mined“ oder auch im eröffnenden „Way It Is, Way It Could Be“ ein wenig forscher angehen. Jetzt versteht sich solch eine Beschleunigung in diesem Kontext zwar immer noch eher wie eine leichte Talabfahrt, aber immerhin, genau durch solche fein herausgearbeiteten Merkmale gewinnt „Loyalty“ an Fahrt. Es sind trotz allen Geschwindigkeitsrausches dann aber doch die eher kontemplativen Momente, die dem wahren Charakter des Albums entsprechen.

„I Could Only Stand By“ zieht hierzu klagende Klarinetten heran und fasst die melancholischen Worte und Gedanken so schon zusammen, bevor Lindeman sie ausspricht: „All through the winter I could only stand by, watching you wake to the hardest kind of trouble with no guiding line“. Doch „Loyalty“ kann mehr als Melancholie und Wehmut. Es ist auch Rückschau auf persönliche Befindlichkeiten wie bei „Personal Eclipse“ oder dem sehr intim wirkenden „Tapes“, das episodenhaft eine kurze Alltagsskizze anhand einer wiedergefundenen Musikkassette mit eigenen Aufnahmen widerspiegelt. „Loyalty“ ist selbst so eine kleine, wiedergefundene Zusammenstellung von Erinnerungen und Anekdoten, die man immer und immer anhören will, ja beinahe muss. Zeitlos, ohne sich um einen Trend zu kümmern und doch gespickt mit Bezugspunkten, die jeder auf seine Weise deuten kann.

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