“What are you?”  he asked.

“I am a small room at the back of the house.

I am a decision.

I am an obscene gesture made over the toilet.

I am one of many uncounted varieties of excrement.

I am your first orgasm.

I am a coward, and a screaming child.”

 

Diese Zeilen findet man, wenn man die CD von “All Fours”, dem vierten Album von Bosse-de-Nage, aus der Hülle nimmt und sie geben im gewissen Sinne einen Hinweis auf das, was dann in Kürze aus den Lautsprechern erklingt. Die bisherige Karriere der Band aus San Francisco habe ich sträflicherweise leider nicht verfolgt, aber mit „All Fours“ liefern sie schlichtweg ein Meisterwerk ab.

Die Band wird zwar immer noch dem Black Metal zugeschrieben, doch greift diese Zuordnung nur noch bedingt. Sicher, wenn man nach den derzeit gängigen und einigermaßen anerkannten musikalischen Charakteristika von Black Metal geht – rasendes Schlagzeugspiel, rasende Tremolo-Gitarren, gefauchtes Geschrei als Gesang gepaart mit einem Hauptaugenmerk auf Atmosphäre, Gefühl und einer irgend gearteten Emphase von Misanthropie – kann man schon sagen, dass die Kalifornier Black Metal spielen. Nur verhält es sich mit der musikalischen Gemengelage ähnlich wie bei A Pregnant Light, die mich letztes Jahr kalt erwischt und mein Herz im Sturm erobert haben. Bosse-De-Nage, mit Profound Lore im US-Hintergrund, sind sicherlich gefühlt noch einige Nummern größer: Mehr Referenz, aber auch mehr Eigenheit und bestechende Größe war dieses Jahr noch nicht.

Hier gibt es alles zu hören, was an amerikanischem Noise und Hardcore von Mitte der Achtziger bis Anfang der Neunziger liebenswert war, Dissonanz und noch so vieles mehr, unterfüttert mit dem Gespür für Melodiösität des US-amerikanischen Westküsten-Black-Metal, den Willen zur ausladenden Geste ohne Abschweifen in plumpe Theatralik. Aggression, Frustration, Verzweiflung. Schon „At Night“, der Eingangssong, erwischt einen in seiner Gesamtheit wie Scratch Acid mit David Vow am Mikro zu seligen „Berserker“ Zeiten, wie „Going To The Beach“ von Killdozer, wie das Debüt von Die Kreuzen. Nur dass hier alles gleichzeitig abläuft, so sollte es auch nicht verwundern, wenn der Gesang im weiteren Verlauf des Albums durch viele Schulen wandelt und sich der Sänger im Genrekontext als extrem ausdrucksstark und wandlungsfähig präsentiert. Auch beim Schlagzeugspiel gab es schon lange nicht mehr so viel Variantenreichtum zu hören, der Drummer schafft es auch im schnellsten Blastbeat noch, überraschende Fills, Rolls und Stolperfallen einzubauen.

Bass und Gitarre stehen dem ebenfalls in nichts nach. Nach metaltypischen Riffs – oder besser Metalriffs – sucht man weitestgehend vergebens. Da muss man sich nur mal das Duo aus „A Subtle Change“ und „Washerwoman“  anhören, die beide einige Gänsehautmomente zu bieten haben, auch wenn es sich fast nicht geziemt, aus diesem Werk einzelne Songs hervorzuheben. „All Fours“ ist bis jetzt das beste Gesamtpaket im Gitarrenkosmos in diesem Jahr.

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