The Go! TeamThe Scene Between
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Label:
Memphis Industries
VÖ:
27.03.2015
Referenzen:
Phil Spector, MGMT, Cults, Dan Friel, Best Coast, Dan Deacon, Sleigh Bells
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Autor: |
| Uli Eulenbruch |
Ein Argument für mehr künstlerische Diktatur? Nachdem der vor 10 Jahren noch so revolutionär aufgewühlte Krawall-Pop von The Go! Team mit jedem weiteren Album stetig zu ermüden schien, stellte Bandchef Ian Parton das vierte Werk „The Scene Between“ ohne den Rest der Gruppe zusammen – und hat dabei alte Flickenteppich-Qualitäten neu entdeckt.
Ursprünglich hatte das Projekt auch genau so seinen Anfang genommen, als verschrobene Heimbastelei des musikbesessenen Parton, der Vintage-Samples dermaßen manipulierte und hochmelodisch miteinander rekombinierte, bis daraus ein so eigener wie vor übersteuertem Sound berstender Krawall-Pop erwuchs. Spätestens die Bühnenumsetzung des Ganzen war jedoch alleine nicht zu bewerkstelligen und die live entstandene Gruppendynamik fand mit der Zeit auch ihren Einfluss in der Musik. Mehr Liveinstrumente, vor allem mehr eigener Gesang und mehr Rap führten den Albumsound näher an den Konzertsound heran. Doch während in einer Band bestenfalls das Zusammen- und Gegeneinanderwirken verschiedener Individuen simpleren Einzelteilen eine lebhafte Dynamik verleihen kann, war bei The Go! Team bereits anfangs die kompositorische Basis viel komplexer, weswegen vor allem auf dem 2011er „Rolling Blackouts“ vorhersehbare Muster Einzug gehalten hatten.
„The Scene Between“ markiert nun weder einen Neuanfang noch eine regressive Rückbesinnung. Der Sound ist unverkennbar Go! Team, ein hart komprimiertes verschmiertes Wall-of-Sound-Durcheinander, das Major-Acts wie Cults bereits erfolglos zu kopieren versuchten. Doch wenngleich nicht tatsächlich sauber, so erklingt es runder und melodiöser fokussiert denn je. Bei einem derartig undurchdringbaren Gleichzeitig von simpel-eingängigen Harmonien und unharmonischen bis noisigen Kontraelementen wie Jetturbinen macht es auch nichts, wenn an den Kanten gefeilt wird. Vor allem zeigt sich die Abwesenheit der live besonders effektiv zu Krawallausbrüchen nutzbaren Instrumente: weniger bis keine johlend rauschenden Gitarrenriffs, wuchtige Schlagzeugbreaks, Sirenenheulen oder Blechbläser mehr.
Sie sind alle noch irgendwo zu finden (beispielsweise trompetet es im Titelstück kaum ausmachbar unter der Leitmelodie), aber wie die Vocals subtiler und wärmer eingeflochten worden. Gerade der Gesang ist es auch, der den melodischen Fokus trägt und jedem Stück einen anderen Charakter einprägt: den verträumten Shoegaze von „Her Last Wave“, die sonnige Küstenfahrt von „Did You Know?“, den weichen Schmelz von „Waking The Jetstream“, das Lebhafte in „Catch Me On The Rebound“. Dabei waren Ian Parton die rund um den Erdball verteilten Stimm-KollaborateurInnen vorab kaum bis gar nicht bekannt, als eine Art Hürde, die Unvoreingenommenheit im kreativen Prozess bedingte. Dass das letztendlich kaum auffällt, überrascht nicht: Schließlich besitzt Parton eine so markante Handschrift, dass er den Go!-Team-Sound mühelos transferieren kann, was ihn auf dem Rücken der Gruppe Momoiro Clover Z auch schon in die japanischen Popcharts führte.
Eine genauere Betrachtung der Vocals wie auch der Samples kann manche Kuriosität hervorbringen. Ausgerechnet der Song namens „The Art Of Getting By (Song For Heaven’s Gate)“ wird so von einem Gospelchor intoniert, während die Loop-Grundzüge der Stücke das online und als Beigabe mancher Versionen des Albums zu findende Mixtape „Between The Scene Between“ illustriert. Essentiell sind diese Einblicke jedoch nicht – schließlich sind Partons eigene Lieblingssamples auch jene unnachahmlichen, deren Soundmagie er selbst nicht ganz entschlüsseln kann. Sie hat er ebenso wie ihm unvertraute Vocals mit seiner ganz eigenen Pop-Alchemie rekombiniert: gegen den alten Krawallstrich gebürsteter Noisepop in neuem Harmoniebewusstsein.


