Dass sich Godspeed You! Black Emperor mit einem neuem Album nicht noch einmal so viel Zeit lassen würden wie vorm Vorgänger „‚Allelujah! Don’t Bend! Ascend!“, war zu erahnen. Die oft ausverkaufte Tour verlief harmonisch, die Band war im Feuilleton plötzlich so relevant wie noch nie und nicht zuletzt war das Album in Kritikerkreisen ein voller Erfolg – wie bis dato jede Veröffentlichung, doch selbstverständlich war das nach zehn Jahren Wartezeit sicherlich nicht.

Daher ist es nur naheliegend, nun zeitnah – und nichts anderes sind zweieinhalb Jahre im Gesamtkontext – ein weiteres Album nachzulegen. „’Asunder, Sweet And Other Distress’“ geht dabei auf dem Papier einen ähnlichen Weg wie sein Vorgänger. Diesmal bildet „Behemoth“, ein monumentales Stück, das schon seit etlichen Jahren nicht mehr aus den Auftritten der kanadischen Gruppe wegzudenken ist, die Vorlage. Abermals gesplittet in zwei normale und zwei dronige Parts, ist es aber mit gerade einmal 40 Minuten wesentlich kürzer und kompakter als zu erwarten gewesen war. Was vielleicht wie die Folgen eines Schnellschusses aussieht, entpuppt sich rasch als wichtiges Element der Hauptidee hinter „’Asunder, Sweet And Other Distress’“: Das aufbrausende Chaos, auch in den Livedarbietungen von „Behemoth“ durchaus noch ein Hauptmotiv, hat sich gelegt, die Improvisation ist zugunsten einer aufgeräumten, harmonischen Gesamtstruktur gewichen.

Dies macht aus dem eröffnenden „Peasantry Or ‚Light! Inside Of Light!’“ einen extrem melodiösen, zugänglichen Ansatz, der sich fast wie aus dem Post-Rock-Lehrbuch Stück für Stück aufbaut, um am Ende in einem Anfall von Euphorie aufzugehen. Es ist ein feiner Schritt zurück in die Geschichte eines ganzen Genres, dessen Grenzen die Band eigentlich schon längst gesprengt und hinter sich gelassen hatte. Und doch sprüht dieser Schachzug vor Charme: Das unablässige Crescendo, die geschickt eingearbeiteten orientalischen Klänge – letztlich einer der wenigen direkten musikalischen Anknüpfungspunkte zum Vorgänger – und das stetige Hinarbeiten auf die Klimax erinnern an eine gute, alte Zeit. Der Abschluss „Piss Crowns Are Trebled“ bewegt sich prinzipiell in die gleiche Richtung, auch wenn er teilweise etwas aggressiver und auslandender daherkommt. Die Grundidee eines Albums in festen Bahnen bleibt die gleiche. Hieran ändern auch die beiden Drone-Einschübe in der Mitte des Albums nichts, sie legen sich äußerst organisch zwischen Anfang und Ende und geben so dem Gesamtwerk eher noch mehr Struktur, als dass sie diese auseinanderreißen würden.

Damit nähern sich Godspeed You! Black Emperor bewusst oder unbewusst anderen Projekten des Constellation-Kosmos wie A Silver Mt. Zion oder Do Make Say Think sehr nah an – Bands also, die auch schon immer Begeisterung auslösen, aber die Aura des Unnahbaren nie so stark verströmen konnten. „’Asunder, Sweet And Other Distress’“ ist in diesem Sinne der zwischenzeitliche Abschied vom Olymp hinunter in die normale Welt. Hier bleibt die Band wie selbstverständlich prima inter pares.

Einen Kommentar hinterlassen

Platten kaufen Links Impressum