KrengThe Summoner
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Label:
Miasmah
VÖ:
06.02.2015
Referenzen:
Györgi Ligeti, The Haxan Cloak, Ben Frost, Spheruleus, Richard Skelton
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Autor: |
| Carl Ackfeld |
Pepijn Caudron verarbeitet seinen Schmerz. Nach seinen Alben „L’Autopsie Phenomenale De Dieu“ und „Grimoire“, die beide von vorzüglicher Qualität mit Erwartung, Wahrnehmung und Verarbeitung von in Teilen sinistren Klängen spielen, zwingt er sich bei „The Summoner“ in eine Art Selbsttherapie, um den Schmerz über den Verlust einiger enger Weggefährten zu verarbeiten. Hatten die Vorgängerwerke einen eher mystischen Unterton, greift sein aktuelles Werk dabei nach dem Leben.
Fünf Phasen hat das Sterben nach einem Modell von Elisabeth Kübler-Ross. Schon Matt Elliott hatte mit „Howling Songs“ dieses Konstrukt behandelt und in seiner ebenso virtuosen wie kunstfertigen Gitarrenarbeit ausgedrückt. Pepijn Caudron nimmt sich auf „The Summoner“ der Thematik im Ganzen an und erweitert sie, nicht nur durch das Hinzufügen einer weiteren Phase, auch hinsichtlich seiner musikalischen Ausgestaltung.
Waren die vorhergehenden Alben dunkle Ambient-Werke, deren Rückgrat aus garstigen und angsteinflößenden Samples bestand, ist „The Summoner“ ein aus einem Guss entstandenes Werk, das klassische Streichermotivik und metallenen Doom in Einklang bringt. Stille und Spannungselemente wechseln sich ab, je nach Phase droht ein mahlendes Drängen oder ein abwartendes Ächzen und vermischt sich mit den schmerzvollen, sich zumeist erst allmählich aufbauenden Klängen, die sich direkt aus dem Unterbewusstsein ins ewige Gedächtnis zu fressen scheinen.
Caudron lehnt sich während „The Summoner“ an, ohne das direkte Zitat zu nutzen. Die scheinbar unhörbaren, mit beiläufigen Tönen gespickten Streicher zu Beginn künden von den flächigen Ligeti-Kompositionen und offenbaren erst nach quälenden vier Minuten eine Schmerzensmotivik, die sich vom beginnenden „Denial“ über Ärger und Wut in eine kindliche, naive Phase des Verhandelns erstreckt und schließlich in Depression mündet. Caudron nutzt die Bezeichnung der Phasen des Kübler-Ross-Modells nicht nur als Titel, er flößt ihnen Leben ein und lässt sie plastisch erscheinen. Gerade das nur kurz währende „Bargaining“, das so ein wenig an der Schwelle zwischen Aufbäumen, Wehren und Resignieren flackert, löst die durch Stille und Lärm herbeigeführte Wechselseitigkeit auf und führt mit dem anschließenden „Depression“ geradewegs in andere Sphären.
Die erreicht Caudron gemeinsam mit den Schwarzmetallern von AmenRa mit dem Titelstück, das die arrangierte Klaustrophobie in kakofone Kampfeslust verwandelt und ein letztes Aufbäumen erwirkt. Doch schon nach kurzer, heftiger Eruption fängt sich „Acceptance“ in weicher und resignativer Weise und scheint sich durch erlösende Töne mit dem Weg allen Fleisches abzufinden.
„The Summoner“ ist Caudrons persönlichstes Werk und doch kommt hier nur manchmal wirkliche Nähe zum Musiker auf. So haben die langsamen Kompositionen zwar deutlich mehr Wucht als auf „Grimoire“, doch bleiben die dort versammelten Nackenhaaraufsteller hier aus. Dabei ist das Spiel mit Leben und Tod geradezu prädestiniert, auch ein wenig für Schrecken zu sorgen. Aber wenn ein Album so nach dem Leben greift, ist das vielleicht auch schon Schrecken genug.


