Ist es nicht manchmal bemerkenswert, wie sehr sich ein Albumcover auf die erste Hörerwartung niederschlägt? Sieht man dunkle Häuserschluchten, denkt man unweigerlich an urbane Klanglandschaften oder moderne Garagenrhythmen, grafische Muster verweisen häufig auf artifizielle Elektronik und bei einer Porträtaufnahme wird es meist entweder ziemlich persönlich oder sehr eingängig. Nimmt man das Cover des Debütalbums von Jake Xerxes Fussell mit seiner idyllischen Landschaftsaufnahme, konnte nun durchaus mit einem beschaulichen Wald-und-Wiese-Album gerechnet werden. Doch dann hat man die Rechnung ohne die Stromschnellen gemacht.

Es sind Blues-, aber doch auch Folksongs, die Fussell mit unbedingtem Willen intoniert. Zusammen mit dem umtriebigen William Tyler geschaffen und dargeboten, finden sich auf „Jake Xerxes Fussell“ zehn zunächst sehr klassisch und traditionell erscheinende Stücke, die vor allem von den fließenden Melodien und der erdigen Stimme Fussells leben. Beides hat sich Fussell bereits seit seiner Teenagerzeit gemeinsamen mit regionalen Musikern aus dem Chattahoochee Valley angeeignet und genau diese Verbundenheit zu seiner Heimatregion und die tiefe Verneigung vor lang gedienten Blues- und Folksängern wie Precious Bryant und Will Scarlett zeichnen den Charakter des Albums aus.

Da treffen eher verschlugene Folkmelodien auf Fiddle-Verzierungen wie bei „Rabbit On A Log“, bei „Raggy Levy“ wird ein energisches Lagerfeuer-Singalong angestimmt und im fabelhaften „Boat’s Up The River“ singt Fussell mit solcher Inbrunst und Intensität, dass er Steine zum Weinen bringen könnte. Nicht das Fussells Organ dabei von lieblicher Schönheit wäre, es ist vielmehr eine Art flüchtiges Kratzen, das vor allem in den höheren Lagen auch schon mal knapp neben der Spur zu sein scheint.

Ähnlich wie Nathan Bowles auf seinem im letzten Jahr ebenfalls bei Paradise Of Bachelors veröffentlichten „Nansemond“ übertragen Fussell und Tyler auf dem Album archaische Topoi und traditionelle Klangmuster in ein zeitgemäßes Muster, ohne dabei die historischen Quellen zu vernachlässigen. „Star Girl“ zum Beispiel, das sich auch in den Katalog eines Johnny Cash einordnen könnte oder das gemütlich schaukelnde Byrds-Cover „Push Boat“ mit seinem „Arbeits“-Takt, das den Stromschnellen auf dem Albumcover mit Leichtigkeit trotzen könnte. Doch auch die abschließende Alltagsbetrachtung „Pork And Beans“, das nach so vielen historischen Verweisen erfrischend modern wirkt, kann sich aufgrund des Bluesshuffles nicht komplett seiner musikalischen Geschichte entziehen.

Fussell gelingt auf seinem ersten Album vieles von dem, wofür andere Folker und Blueser fast ein ganz Leben brauchen: Seine Songs wirken, auch dann wenn sie bereits einen ganzen Interpretationsrucksack auf dem Rücken tragen, authentisch und wie aus dem Leben gegriffen. Plötzlich ergibt dann auch die Wahl des Albumcovers Sinn, denn schließlich kann das Leben ein langer, ruhiger Fluss sein – vorausgesetzt man umschifft dessen Stromschnellen so einfach wie Jake Xerxes Fussell.

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