Wildbirds & PeacedrumsRhythm
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Label:
Leaf
VÖ:
14.11.2014
Referenzen:
Mariam The Believer, The Dø, Hanne Hukkelberg, My Brightest Diamond, Björk
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Autor: |
| Carl Ackfeld |
Es braucht manchmal nicht viel für ein Album. Im Falle von Mariam Wallentin und Andreas Werliin alias Wildbirds & Peacedrums reicht die außergewöhnliche Stimmfarbe der Schwedin und das Talent ihres Ehemanns, auf alles draufzuhauen, was der Perkussionskatalog so her gibt. Was dabei allerdings herauskommt, ist eine ungeheuer energetische Angelegenheit, die sich ziemlich von den letzten Werken der beiden unterscheidet.
„Rhythm“ heißt das Album und selten war ein Titel greifbarer, plastischer, passender. Das Wechselspiel der beiden könnte nicht stärker rhythmusgetrieben sein, als es die insgesamt neun Stücke repräsentieren. Meistens beginnt Werliin mit einem Grundrhythmus, den er innerhalb des Songs ausbaut, variiert und von einem auf das andere Perkussionsinstrument übergehen lässt. Die ausdrucksstarke Stimme Wallentins nimmt dann diese Figuren auf oder setzt klare Kontrapunkte. Gezielte Pausen, versteckte Rhythmuswechsel und plötzliche Tempovariationen, dazu ein Kreuz und Quer von Stimme und Schlagwerk, so scheint das Album ständig in Bewegung zu sein.
Dazu drängt „Rhythm“ zumeist ziemlich impulsiv nach vorne, vor allem in den beiden bereits im Vorfeld veröffentlichten Songs „The Offbeat“ und Keep Some Hope“. Bei Ersterem ist der Name Programm, verlustiert sich Wallentin doch häufig bewusst neben den taktgebenden Schlag und sorgt somit für ein gefühlt rasches Vorwärtskommen. Ein Stilmittel, das Wildbirds & Peacedrums sich durchaus häufiger zu Nutze machen, denn auch „Soft Wind, Soft Death“ klingt zunächst ein wenig wie aus der Spur geraten, doch nach kurzer Zeit gewöhnt sich das Ohr an die zwei parallel laufenden Rhythmen, die sich nur nur ab und zu am Taktbeginn zu treffen scheinen.
Was jetzt klingen mag wie eine Musikvorlesung „Einführung in die Rhythmik, Teil 1“ macht allerdings deutlich mehr Laune und sorgt vor allem bei den temporeicheren Stücken für einen Heidenspaß. Das bereits erwähnte „Keep Some Hope“ mit seiner unwiderstehlichen Hookline will tatsächlich gar nicht mehr aus dem Gehörgang herauskommen und die knallenden Handclaps und Rimshots, die sich zum Beispiel hinter dem perlenden Cymbalvorhang bei „The Unreal Vs. The Real“ verstecken, machen Lust auf das genaue Hinhören.
Dieses Hin und Her aus genauem Hinhören und Sich-dem-Rhythmus-Hingeben macht den Reiz von „Rhythm“ schlussendlich aus. Sicherlich schlagen die Songs zuweilen deutliche Haken, doch immer wieder finden sich diese eingängigen Melodiemomente, die Mariam Wallentin wie beiläufig, aber immer mit ungeheurem Herzblut aus dem Ärmel zu schütteln scheint. Es gibt in diesem Jahr vielleicht bessere Tanzalben, wahrscheinlich auch eine ganze Menge derer, die eine eher vertrackte Rhythmik aufweisen. Aber kaum eins von denen verbindet diese beiden sich eigentlich ausschließenden Elemente so vorzüglich wie „Rhythm“.


