Sleep Party PeopleFloating
| Tweet |
Label:
Blood And Biscuits
VÖ:
06.06.2014
Referenzen:
Get Well Soon, Boards Of Canada, Mogwai, Sigur Rós, David Lynch
|
|
Autor: |
| Laura Schaefer |
Nach der Party ist bekanntlich auch vor der Party. Selbst wenn man sich nicht mehr zur wilden Tanzerei aufraffen kann, bietet doch die Afterhour die perfekte Zeit, um zur Ruhe zu kommen und die letzten Konfettireste aus den Haaren zu fischen. Nebenher legt man das neue Album von Sleep Party People alias Brian Batz ein und alles scheint gut, treffender könnte „Floating“ diese sensible Zeit zwischen wach sein und schlafen gehen kaum ummanteln. Auf einer Welle der Gewogenheit lässt der dänische Multiinstrumentalist den Zuhörer schweben und vergisst dabei nicht, seinem dreamigen und shoegazigen Anspruch gerecht zu werden. Wegschlummern kann man aber zum Glück nicht, dafür reizt der Musiker sein facettenreiches Repertoire zu gut aus.
War auf den vorherigen zwei Alben die durch einen Vocoder sehr hoch gepitchte Stimme von Batz noch mehr im Fokus, so tritt sie auf „Floating“ eher in den Hintergrund und kommt nur zu besonderen Anlässen nach vorne. Ganz nach der Mentalität von Mogwai und Sigur Rós versucht sich Sleep Party People noch mehr an atmosphärischen instrumentalen Tracks, zwischen Ambient, Chillwave und Postpunk. Der Eröffnungssong „Change In Time“ ist eine sehr lässige und etwas wabernde Angelegenheit, driftet aber nie zu sehr ins Experimentelle ab: Elektronisch dumpfes Läuten von Glocken, verzerrte Gitarre, dafür klare Drums und der hochstimmige Gesang von Batz, dessen Texten man akustisch eher schwer folgen kann. Am Ende mündet das Stück in eine sich aufbauschende instrumentale Synthrock-Nummer, die nur allzu plötzlich wieder endet. Schade eigentlich, aber im nächsten Track „Floating Blood Of Mine“ lässt uns Sleep Party People zum Glück nicht einschlafen, denn es geht voran, wenn auch nicht tanzbar, eher gemächlich. Für den von Bekannten und Freunden musikalisch unterstützten Musiker ist es fast schon eine Indie-Pop-Nummer, die in Morgendämmerungsträume entschwebt. Relativ dezent werden hierbei die Synthiesounds im Hintergrund platziert, um eine angenehme Abwechslung zu bereiten.
„Death Is The Future“ ist hingegen ein reines Instrumentalstück, das tatsächlich ohne Stimme ganz anders wirkt – irgendwie reiner und neutraler, da in dem Gesang immer etwas Kindisches und Naives mitschwingt. Mit seinen etwas mehr als drei Minuten kommt der kürzeste Song auf dem Album leider etwas knapp daher, gerade wo es die Kunst beherrscht, ohne Gesang als stabiles Zentrum zu überzeugen und mitzureißen. Sleep Party People weiß seinen Sound sinnvoll einzusetzen und den dünnen Grat des Belanglosen zu überwinden. Fortgeführt wird der instrumentale Ansatz im nachfolgenden „I See The Sun, Harold“, das allerdings weniger Kraft entfaltet als der Vorgänger, da sich der Track wie ein zu lang gezogenes Outro anhört. Nach jedem Melodieschnipsel könnte ausgefadet werden, doch das geschieht erst nach geschlagenen vier Minuten.
Das vorletzte Stück „Only A Shadow“ ist wiederum ganz in Sleep-Party-People-Manier. Fast schon sehr lo-fi steht der klangverfremdete Gesang in der Mitte und überlappt sich mit Synthteppichen, streicherähnlichen Einwürfen und einem relativ klarem Klavier. Batz erlaubt sich sehr viel an Dreampop-Sounds, dennoch vermag er diese durch fast schon harte, aber real gehaltene Instrumentenklänge zu durchbrechen – und genau das macht seinen Charme aus. Wer keine Angst vor Häschenmasken mit großen Schlappohren hat, der nehme sich „Floating“ ans Herz und möge sich davontragen lassen.


