AgallochThe Serpent & The Sphere
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Label:
Eisenwald / Plastic Head
VÖ:
30.05.2014
Referenzen:
Opeth, Primordial, Ulver, Anathema, Mastodon
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Autor: |
| Carl Ackfeld |
2014 ist mein Jahr. So viele herausragende düster akzentuierte Alben wie in den vergangenen fünf Monaten habe ich selten zu Gehör bekommen und schon schicken sich John Haughm und seine Mitstreiter von Agalloch unter Zuhilfenahme des Neofolkers Nathanael Larochette an, diese Serie fortzusetzen. Doch schon die ersten Klänge von „Birth And Death Of The Pillars Of Creation“ bergen Überraschungen.
Sorgte der klare Gebirgsbach zu Beginn des Vorgängeralbums „Marrow Of The Spirit“ für eine deutliche Einordnung in eher folkloristische Gefilde, greift das über zehnminütige Eröffnungsstück nach ganz anderen Sphären. Anklänge an weit ausholende, eher traditionelle Rockmuster progressiver Gangart sorgen für Irritation, die dadurch noch geschürt werden, dass es bei erster Betrachtung schier unendlich dauern will, bis sich der Song zu einem ebensolchen entwickelt. Atmosphärisch, sicher, aber irgendwie auch von ganz schön viel überflüssigem Pathos durchzogen.
„The Serpent & The Sphere“ lebt insgesamt vom Wechselspiel zwischen Ruhe und Kraft. Die titelgebenden Zwischenspiele, die eindeutig dem Einfluss Nathanael Larochettes zuzuordnen sind, brechen die aufgestaute Gewalt und versuchen sie in Fluss und Struktur umzuwandeln. Dazwischen versuchen Agalloch ihrem mit Folk- und Progelementen ausgestatteten Black-Metal-Entwurf neue Konturen zu geben. Das funktioniert immer dann besonders gut, wenn John Haughm von seiner charakteristischen Stimme Gebrauch macht oder die Gitarren wirbelsturmartig aufbrausen und das berstende Schlagwerk zum Stelldichein bitten. Nun ist das Album aber derart instrumental geraten – allein das zwölfminütige „Plateau Of The Ages“ kommt völlig ohne Gesang aus – dass man fast immer auf die musikalische Ausgestaltung zwischen Stimme und Instrument hoffen muss. Das klappt im giftigen „Celestial Effigy“ gut bis sehr gut, lediglich die schon sehr volkstümlich aufspielenden Gitarren zum Schluss verleiden die Lust an der Garstigkeit ein wenig.
Auch die choralen Elemente, wie bei „Dark Matter Gods“, stehen dem Gesamtklang auf „The Serpent & The Sphere“ gut zu Gesicht. Agalloch entfernen sich von der auf dem Vorgänger noch vorherrschenden Wut zugunsten eines ärgerlichen Grollens, das aber meistens deutlich zu mild ausfällt. Die technische Vielfältigkeit an den Instrumenten in allen Ehren, doch irgendwie wohnt dem Album fast über die ganze Spielzeit eine angenehme, sphärische Ruhe inne. Nun waren die ersten Alben, allen voran „The Mantle“, in Teilen auch ruhig und gemessen, dort wurden aber ausreichend musikalische Fallstricke gelegt, die für entsprechende Abwechslung sorgten. Beim aktuellen Werk verlaufen sich viel zu viele Wege in beinahe klassische Rock- und Metalvarianten, dass es den Anschein hat, Agalloch spielten ihre Version eines nicht immer ganz ernst zu nehmenden AOR.
Es ist schade, dass auf „The Serpent & The Sphere“ ausserhalb der Zwischenspiele fast ganz auf den Folkaspekt verzichtet wurde, denn damit hoben sich Agalloch deutlich über den Black-Metal-Horizont hinaus. So wirkt das Album wie ein ordentlicher Versuch, dem ureigenen Sound neue musikalische Varianz anzugedeihen, die zwar ausgefeilter, längst aber nicht mehr so spannungsgeladen daherkommt. Ein bisschen mehr dräuen, vielleicht beim nächsten Mal die Intermezzi nicht ganz so alleine da stehen lassen, dann wäre ich deutlich zufriedener und würde „The Serpent & The Sphere“ auch in den hervorragenden Kanon des dunklen Frühjahrs 2014 einordnen.


