„I won’t live like this forever, losing to the dark“, deklariert Katy Goodman alias La Sera im Eröffnungsstück ihres dritten Solostreiches „Hour Of The Dawn“ – und nabelt sich in der folgenden halben Stunde endgültig von ihrer Vergangenheit ab.

Es ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Als ehemaliges Mitglied von Vivian Girls wurde Goodman stets mit ihren früheren musikalischen Versuchen konfrontiert und verglichen. Eigentlich nicht ganz fair, bewies sie doch auf ihrem Solodebüt „La Sera“ und dem ganz hervorragenden Nachfolger „Sees The Light“ von 2012, dass sie zwischen östrogengeladenem Noisepop und New Wave noch weitaus mehr kann, als ihr oft zugemutet wird.

„Losing To The Dark“ macht das unmissverständlich klar: Statt sich wie früher der verletzten, zurückgezogenen Opferfigur hinzugeben, die weinend am Fenster Ausschau nach der längst vergangenen Liebe hält, steht Goodman nun breitbeinig vor dem betrügerischen Ex und haut ihm seine eigene Launenhaftigkeit gehörig um die Ohren. Unterstützt wird sie dabei von ihrem neuen Gitarristen Todd Wisenbaker, der einst bei der christlichen Punkband Officer Negative die Saiten bediente und auch schon mit Rilo Kiley zusammengearbeitet hat.

Jener Wisenbaker sorgt bei so manchem Song für den nötigen Feinschliff. Im fuzzigen „All My Love Is For You“ ist es besonders das Gitarrensolo, das sich im Gehörgang einnistet – und im darauffolgenden Titeltrack verhilft die von ihm angeführte Melodie dem Song dazu, mit Leichtigkeit eines der großen Highlights zu werden. Das gilt nicht nur für das Album, sondern vor allem auch für die kommenden lauen Sommernächte.

Denn natürlich ist „Hour Of The Dawn“ vor allem genau das: ein Sommeralbum, das bei wärmeren Temperaturen besser funktionieren wird als bei kalten. Das suggeriert auch der Titel von „Summer Of Love“, welches mit seinen leichten 60er-Anleihen noch am ehesten an Goodmans früheres Schaffen erinnert. Mit „Kiss This Town Away“ verlässt sie diesen Pfad alsbald wieder, um eine weitere, vergleichsweise düster-kratzbürstige Facette zu zeigen, von der wir zukünftig hoffentlich mehr sehen werden. Mit dem kurzweiligen, quasi-instrumentalen „Storm’s End“ verabschiedet sich Katy Goodman alias La Sera wieder – von dem Album, ihrer Hörerschaft, vor allem aber von ihrer Vergangenheit. Alles Gute auf dem neuen Weg.

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