MetronomyLove Letters

Manchmal braucht es gar nicht mal so viel, um ein tolles und rundum abgestimmtes Album zu produzieren: ein gewisser zeitloser Sound, Harmonien zwischen Melancholie und Unbeschwertheit oder einfach nur das Fingerspitzengefühl eines Masterminds wie Joseph Mount von Metronomy. „Love Letters“, das mittlerweile vierte Studioalbum der englischen Band, umfasst all das und noch viel mehr. Dabei steht es ihrem 2011er Megaerfolg „The English Riviera“ in nichts nach.

Wo setzt man an, wenn man den Schaffensprozess eines Albums nachvollziehen möchte? Für Mount gab es da so einiges. Die Geburt seines ersten Kindes war für ihn keine Kreativitätsbremse, vielmehr beflügelte sie ihn und trieb ihn in die Toe Rag Studios in East London – ein altmodischer Ort, der durch seine analogen Sounds und Maschinen dafür bekannt ist, dass man dort im klassischen Stil ohne Schnickschnack aufnehmen kann. Was nun wollte ein Songschreiber, der sonst mit Computern und Synthesizer gearbeitet hatte und damit schon guten Erfolg verzeichnen konnte, in diesen Studios, die sich eher Rock’n’Roll verschrieben haben? Bei Metronomy muss man sich aber nicht fragen, ob das klappt – es klappte einfach. Ohne Wenn und Aber.

Joseph Mount schreibt Songs, die einen frischen Sound aufweisen, mit Klangexperimenten und gewissen elektronischen Einschüben. Für „Love Letters“ entschied er sich, die Platte klassisch auf Tape aufzunehmen und zu produzieren. Dies könnte ein Rückschritt sein – „Retro“ ist da ein beliebtes Wort – aber Metronomy wollten ihr Album noch zeitloser gestalten und das Beste aus verschiedenen Musikperioden bündeln. Ein schwieriges Unterfangen, wo es doch heutzutage viel einfacher als mit Tape geht, aber eine Bereicherung, denn Mount musste sich dadurch noch mehr mit der Musik auseinandersetzen. Diese neugewonnene Finesse kann man förmlich spüren, wenn man die Platte hört und sich an die englische Riviera träumt. Denn auch dort lässt sich das Album wunderbar hören!

Zu der bekannten Elektropop-Vibe und der Lo-Fi-Gelassenheit des Quartetts reihen sich Popmelodien, die im Ohr bleiben. Die erste Singleauskopplung „I’m Aquarius“ überzeugt durch einen minimalistischen Beat, Synthies und den von Backgroundvocals unterstützten Gesang Mounts, der erst mal nicht mehr aus dem Ohr gehen will. Auch wenn das Wetter draußen frösteln lässt, drinnen kommt Urlaubsstimmung auf, aus der man am liebsten nicht mehr verschwinden möchte. Auf diese Welle der Unbeschwertheit gesellen sich auch der Titeltrack oder der Eröffnungssong „The Upsetters“, immer durchzogen von einer Melancholie und Einsamkeit, die einen wieder auf den Boden der Tatsachen bringen und die auch schon die vorherigen Alben prägten. Diese Stimmung kann man besonders in „The Most Immaculate Haircut“ wiederfinden: „I get this feeling in my bones sometimes/ it’s like my legs might fall away/…/ I think of you“.

Das Album zeichnet sich auch dadurch aus, dass einige Instrumente sehr sparsam, aber punktuell eingesetzt werden. Kleine Highlights, die die Band sehr gut platziert, sind kurze Gitarrensoli wie in „The Upsetters“ oder auch die sehr repetitiven Backgroundvocals in „I’m Aquarius“, das schon an eine barocke Fuge erinnernde Orgelspiel in „Monstrous“ oder die kleinen elektronischen Soundschnipsel im instrumentalen „Boy Racers“. Jedem Song liegt ein eigener Charakter zugrunde, der einen je nach Laune auf der Welle reiten oder unter ihr untertauchen lässt. Die Musik und die Technik der Band wie auch das Arrangement lassen nichts zu wünschen übrig – alles andere wäre auch eine Enttäuschung gewesen.

Was als neues Experiment gestartet ist, hat der Band mehr als gut getan: Weder verlieren sich Metronomy in dem Album, noch starten sie etwas komplett neues, ohne Ziel. „Love Letters“ ist eine konsequente Weiterführung der vorherigen Werke, aber auf eine noch ambitioniertere und musikalisch pfiffigere Weise. Immer noch Elektropop, dieses Mal nur auf die klassische Art. Gute Idee von Ihnen, Mister Mount.

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