East India YouthTotal Strife Forever
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Label:
Pias Coop/Stolen
VÖ:
28.02.2014
Referenzen:
David Bowie, Laurel Halo, Neu!, Kate Bush, Factory Floor, Tim Hecker
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Autor: |
| Katja Diehl |
Der Klangteppich rollt sich langsam aus. Schüchtern legt er sich nieder, um einem Album den Weg zu bahnen, das von großer Wärme durchzogen wird – nicht zuletzt, weil echte Klaviertöne zu hören sind, die auch heute noch weit mehr Körper haben, als jeder Synthie bieten kann. „Glitter Recession“, der Auftakt von „Total Strife Forever“, vereinbart diese beiden Elemente in äußerst stimmiger Weise. Verheißt der Songtitel den Wunsch nach mehr Klarheit? War es William Doyle in der Vergangenheit zuviel Glitzer? Mag sein, denn das gesamte Album klingt demnach auch nicht nach Disco, sondern eher nach Kunst. Kunst, die von einer großen Ruhe geprägt ist und ihren Hörer sanft umschwappt und beizeiten kopfnickend zum Komplizen macht.
Man könnte es so sehen, dass Doyle mit seinem vorherigen Projekt, einer Indieformation namens „Doyle & The Fourfathers“, gescheitert ist. Trotz unzähliger Liveauftritte kam es nicht zum Erfolg, aber ohne diesen Misserfolg und die nachfolgende Frustration gäbe es „East India Youth“ nicht. Doyle betrachtet sich selbst als „reborn“, musste vielleicht durch diese Krise, um musikalisch mehr zu sich zu finden. Er ist sich anscheinend sicherer mit seinem radikalen Wechseln zum Solokünstler und Elektroniker, mit dem sich eben nicht mehr ausschließlich über Texte ausdrückt, sondern über Sounds. Dabei lebt er sich sehr experimentierfreudig aus: Da ist Ambient („Midnight Koto“), hier brachialerer Techno mit deutschem Titel („Hinterland“ – vielleicht als Bezug zu den Berliner Bowie-Jahren, auf die Doyle über sein Debüt sprechend stets kommt).
Dabei ist East India Youth keineswegs beliebig oder bequem. Manchmal bohren die Sounds auf seinem Debüt wie ein Zahnarztbohrer vor, um gerade noch rechtzeitig abzuebben, bevor es wirklich unerträglich wird. „Total Strife Forever“, titelgebender Track, existiert auf dem Album gleich in vier Versionen, die nicht aufeinanderfolgen. Sie tauchen scheinbar willkürlich immer wieder auf, den roten Faden des jeweiligen, aber eben nicht unmittelbar Vorhergehenden aufgreifend, ohne nahtlos anzuschließen. Der Wunsch Doyles, elektronische Musik aus der Anonymität zu zerren und ihr ein Gesicht zu geben, erfüllt sich vor allem in Liedern wie „Looking For Someone“ und dem durchaus tanzbaren “Heaven How Long“, in denen er seiner Stimme Raum gibt. Während viele andere Tracks ohne Gesang auskommen – und dabei eben doch etwas austauschbar werden, was die Persönlichkeit ihres Erschaffenden angeht – so ist es immer die Stimme, die eine Vorstellung des Agierenden vermittelt.
Sieht man Liveaufnahmen von Doyle, so ist sicher: Der Derwisch hinter Laptops und Synthesizern braucht sich vor Publikum keine Gedanken um seine ausgeprägte und ausgelebte Musikerpersönlichkeit machen. „This is really personal music to me, it’s emotional, and I wanted to make sure that people knew there was a person behind it.“ Vorhaben gelungen. Das Album ist in seiner Technikverliebtheit ausgeprägt, jedoch gelingt es William Doyle tatsächlich, ihm Leben einzuhauchen und seine Arbeit nie steril wirken zu lassen. Seine Persönlichkeit schafft eine Klammer zwischen den unterschiedlichen auf seinem Debüt vereinten Stilrichtungen, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren: gute Musik zu machen, die berührt. Mit einer Stimme, die berührt.


