WhoMadeWhoDreams

Sehr viel tiefer in die achtziger Jahre kann aktuell vielleicht kaum jemand führen. Die Dänen von WhoMadeWho gibt es schon mehr als zehn Jahre, aber sie überraschen immer wieder mit kleinen Kehrtwenden, die sie dann so tief in ein Musikgenre führen, als hätten sie nie etwas anderes getan. Album Nummer fünf sprüht nur so von Assoziationen schlechter Kellerparties, die immer dann ein gutes und versöhnliches Ende nahmen, wenn geknutscht werden konnte und über die Musik hinweggesehen, die nachts immer ein Außenseiter übernahm, weil alle anderen Besseres zu tun hatten.

Das Trio strotzt vor Selbstbewusstsein und bezeichnet das neueste Werk „Dreams“ – erstmals auf eigenem Label – als „not only the sound of a band getting very serious indeed, it’s also one of the best indie-dance albums to emerge in years“. Wer nicht auf Synthieeffekte, Hall im Gesang und gelegentliches Falsett steht, sollte „Dreams“ lieber fern bleiben. Noch mehr als auf den bisherigen Werken verschreibt sich das Kopenhagener Trio dem Pop – und schrabbt dabei manchmal nur knapp an der Belanglosigkeit vorbei. War das Album „Knee Deep“ noch sehr von den teilweise durchaus düsteren Stimmen von Jeppe Kjellberg und Tomas Hoffding geprägt, trieben die Drums von Tomas Barfod dazu durch tanzbare und zur Bewegung verdammende Tracks, so wirkt dem gegenüber „Dreams“ fast ein wenig beliebig.

Der hohe Gesang auf dem Titelstück und Songs wie „Right Track“ strengt an, „The Morning“, „Hiding In Darkness“, „Head Above“ und „Another Day“ vermögen zu versöhnen und ziehen fast wieder Richtung Tanzfläche. Das Album fällt entlang dieser Stücke qualitativ in zwei Teile und kann dabei die teilweise durchaus vorhandene (und ja eben auch versprochene) Tanzqualität nicht so ganz halten. Alles ist erwachsener geworden, was die die Band selbst ja auch zugibt. Gerne möchte man es Musikern erlauben, das allzu Kindische hinter sich zu lassen, dennoch stellt sich hier ein wenig Trauer ein, dass das Ergebnis so dermaßen glatt werden musste. Die Ecken und Kanten der Vorgänger zogen in den Bann und passten zum Charisma der Skandinavier, die vor allem auch live ein echter Genuss, ein Energiebringer sind. Wenn wie in „Traces“ der Gesang fast völlig überzuckert wird von Effekten, dann ist das nichts, was lange im Ohr bleiben kann, weil es schlicht zu konstruiert ist. „United“ als letzter Track bleibt dann auch schwer verdaulich im Gehörgang liegen – genau wie ein leicht schaler Geschmack auf der musikalischen Zunge.

Ein Kommentar zu “WhoMadeWho – Dreams”

  1. Groschi sagt:

    „Sehr viel tiefer in die achtziger Jahre kann aktuell vielleicht kaum jemand führen.“

    Probier mal die hier:
    http://fdhrecords.bandcamp.com/album/teledrome

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