Schon einzelne Songtitel („Peak Experience” oder auch „Brown Flowers” – vom Albumtitel mal ganz abgesehen) suggerieren, es könnte sich um bestimmte Substanzen handeln. Mike Perry, neben Austin Kjeultes einer der zwei Köpfe des Produzententeams Supreme Cuts aus Chicago, meint dazu, dass das ganze Album gleich auf drei Ebenen rezipiert werden könnte. Dafür sorge auch das transzendente Songwriting. Nach mehreren Einnahmen von „Divine Ecstasy” ist man wirklich der Ansicht, das Bewusstsein hätte sich ein wenig erweitert. Zumindest verschoben.

Nicht nur die Basis der sanften House-Konturen wird hier stets leicht verrückt. Abrupt ist man so sehr im Sog des Songs (was war das noch?) vernebelt, dass man gar nicht mehr spürt, ob dieser jetzt noch klassischen Song-Strukturrastern gerecht wird oder sie ganz unbemerkt gesprengt hat. Dabei ist hier keinesfalls die Art von Chicago-House vernehmbar, die bei Disclosure den Unterbau ausmacht. Zwar hagelt es auch oft Beats, aber nicht straight tanzflächenorientierte, sondern verschachtelte und vernebeltere experimenteller Natur. Das Paar flirtet hier nicht nur im traumwandlerischen Titeltrack mit leichtet subversiven Dubstep-Momenten, sondern ebenso mit Chillhouse- und betäubenden Dreampop-Tendenzen. Kompositionen, die mit dem konventionellen Hörerlebnis brechen und doch extrem einfühlsam arrangiert sind.

Von diversen Gastauftritten ganz zu schweigen. Channy Leaneaghs Stimme schlängelt sich auf dem polyrhythmischen Stilmedley (episch hört sich in dieser Hinsicht auch „It´s Like That” an) „Envision” immer höher und hörte sich auch bei Poliça selten so stimmungsreich an. Für „Cocktails” wurde zudem der Soulsänger Shy Girls arrangiert. Betörender R´n´B auf einer Wolke von Streichersamples, seichten Claps und verhallten Synthie-Hooks. Auf „Gone” (und auch „Brown Flowers”) schellt die Soulstimme von Mahaut Mondino in die Höhe, begleitet von blubbernden Dub-Beats und einem Saxophon in bester (Free-)Jazz-Tradition.

Dass das Gespann es dann auch noch hinkriegt, sphärischen Trap auf „Down” (gefeaturt werden die Rapper GTW, Khallee und David Ashley) zu zimmern, spricht umso mehr für die musikalische Spannbreite. Umso bewundernswerter, dass das Album trotz dieses weiten Klangspektrums recht rund wirkt. Das mag eventuell auch an den gewieft eingeschobenen und verträumt inszenierten Zwischenspielen liegen, die immer eine leise Ahnung aufkommen lassen, wie es hätte weitergehen können. Diese Fragmente dienen sozusagen als „Missing Link“ zwischen den Trips. Fast schon behutsam wirkt da etwa auch das Outro mit seinen Spoken Words. „All good and bad things will come to an end. Friends become strangers, strangers become friends.” Und dann heißt es ganz nüchtern: „I just wanna say, when you´re sad, don´t forget to smile, life never means to upset you.” Am Ende befindet man sich also doch wieder im Down-to-earth-Modus. Und selbst der klingt bei diesem Gespann hier verdammt gut.

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