UnmapPressures
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Label:
Sinnbus
VÖ:
29.11.2013
Referenzen:
The Das, Bodi Bill, Mooryc, Speech Debelle, Ms. Dynamite
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Autor: |
| Philipp Kressmann |
Bei Unmap ist der Bandname Programm. Der aus dem Englischen stammende Begriff „unmap“ bezeichnet ein Verfahren, bei dem ein klar konturiertes Phänomen dekonstruiert wird. Auf die Songs bei Unmap bezogen heißt das: Kammerpop trifft auf Trip-Hop ohne Samples und R´n´B im Electropop-Format. Auf dem Debüt der Berliner sind das alles keine Gegensätze mehr. Hier wird echtes Pop-Patchwork geleistet.
Das liegt eindeutig an den musikalischen Wurzeln der Bandmitglieder. Die Bandköpfe Mariechen Danz und Alex Stolze haben früher bei Bodi Bill ihre Finger mit im Spiel gehabt. Deren Signatur in Form von unterkühltem Techno macht sich vor allem in den geradlinigen Kompositionen wie „Pirates“ bemerkbar, wird aber genauso oft stark verwischt. Die Absetzung vom Bodi-Bill-Sound wird so deutlich stärker als beim Projekt der anderen Bandhälfte, The/Das, verfolgt. Dies gelingt insgesamt auch innovativer, wusste man bei The/Das doch nicht so recht, ob man das Format eingängig oder monoton nennen sollte.
So werden die düsteren Synthies und Dub-Beats etwa auf „Altar“ jäh von einem zähen Noisesturm unterbrochen – und das nicht gerade kurz. Auch „Take Over“ übt sich in Strukturbruch. Der unterkühlte R´n´B-Beat wird zwischenzeitlich immer wieder gestoppt, um Danz´ Vocals – auch oft in Form von hypnotisch anmutendem Sprechgesang – mehr ins Zentrum zu rücken. Sie sind oft ziemlich ungemütlich und sprechen von der zwischenmenschlichen Kälte.
Doch Unmap können auch melancholischen Kammerpop. Zumindest für eine kurze Weile. Das mit Streichern untersetzte „Monkey Effort“ tastet sich nur langsam an die Oberfläche und – welch Wunder – bleibt sogar in ganz unsperrig balladeskem Stil. Doch sonst scheinen sich die Arrangements selbst zu fragen „When to lead and when to follow“, die Grundthematik, die nicht nur die Lyrics durchzieht, sondern auch in der musikalischen Struktur selbst angelegt ist. Einzelne Songs ordnen sich einem pulsierenden Fluss unter, anderen wiederum geht es vor allem um die Ecken und Kanten. Das verleiht „Pressures“ trotz harmonischen Abschlusses eine unbehaglich beklemmende Grundstimmung und eine konzentrierte Spannung, die sicher nicht jedes Debüt so stilsicher zu artikulieren und erreichen weiß.


