SolidsBlame Confusion

Da man nicht drum herum kommt, die offensichtlichen Parallelen zu Japandroids zu erwähnen, erledigen wir das lieber gleich zu Beginn: Ja, Solids stammen ebenfalls aus Kanada, es handelt sich ebenfalls um ein Duo aus Gitarrist und Schlagzeuger und auch musikalisch liegen die beiden Bands nicht weit auseinander. Trotzdem sind Solids mehr als nur die Lückenbüßer bis zum nächsten Japandroids-Album – weil man zumindest während der 38 Minuten ihres Debütalbums sowieso alle anderen Bands als vollkommen überflüssig empfindet.

Die Anfänge des Duos lassen sich wohl gut mit einem der Songtitel von „Blame Confusion“ zusammenfassen: „Laisser Faire“. Gitarrist Xavier Germain-Poitras und Schlagzeuger Louis Guillemette waren zu der Zeit noch Mitglieder der Band Expectorated Sequence, die rhythmisch komplexen und anspruchsvollen Hardcore spielte. Ohne den Hintergedanken einer Veröffentlichung jammten die beiden Musiker parallel dazu ein wenig im Proberaum und verwendeten alle Ideen, die für die Hauptband nicht aggressiv genug oder zu simpel waren. Doch nicht nur die musikalische Einfachheit reizte das Duo, auch sonst brachte diese minimalistische Besetzung viele Vorteile, weshalb die Suche nach einem Bassisten schnell aufgegeben wurde. „Man benötigt keinen Van, um das Equipment zu transportieren, und kaum Platz, um aufzutreten“, erklärt Guillemette im Gespräch mit The Gazette ganz pragmatisch.

Auch der Titel „Through The Walls“ wirkt beinahe programmatisch für das Duo aus Montreal. Solids stürmen durch die meisten Songs, als wollten sie tatsächlich Mauern durchbrechen. Und selbst wenn ihnen das nicht gelingt, wird man sie in jedem Fall auch auf der anderen Seite der Wand hören. Alles was für dieses Vorhaben nicht unbedingt nötig ist, wird weggelassen. Songs wie „Over The Sirens“ oder „Traces“ kommen ohne große Variationen oder Brüche aus und pflügen stattdessen mit ungebremster Energie über den Hörer hinweg. Wenn Solids sich dann doch zu einem kurzen Schlenker hinreißen lassen, wie im anschwellenden Mittelteil von „Off White“ oder dem Instrumental-Part von „Cold Hands“, entlädt sich die angestaute Energie anschließend umso euphorischer.

„Haze Away“ wird von Drummer Louis Guillemette dagegen nicht ganz so unerbittlich nach vorne getrieben und plötzlich schälen sich fast hymnenhafte Melodien aus dem Lärm. Auch in den übrigen Songs sind zahllose eingängige Momente versteckt, man benötigt allerdings mehrere Durchläufe, um diese zu entdecken. Trotzdem gehört „Blame Confusion“ zu den Alben, in die man sich sofort verliebt, weil sie in jeder Sekunde pure Spielfreude und Unbedarftheit versprühen und für ein rauschartiges Hochgefühl sorgen.

Einen Kommentar hinterlassen

Platten kaufen Links Impressum