VauraThe Missing
| Tweet |
Label:
Profound Lore
VÖ:
13.12.2013
Referenzen:
Cold Cave, Deafheaven, Editors, Interpol, Alcest
|
|
Autor: |
| Mark-Oliver Schröder |
2013 war sicherlich eines der spannendsten Metal-Jahre in der letzten Zeit. Tolle bis hervorragende Veröffentlichungen von Deafheaven, Altar Of Plagues, VHÖL, Ash Borer, ÄÄNIPÄÄ, Power Trip, Portal oder The Body – um nur ein paar zu nennen – konnte sich der geneigte Hörer ins Regal stellen, auf den MP3-Player oder in die Cloud ziehen. Metal und insbesondere Black Metal sind noch weiter aus ihrer Nische für Aficionados herausgerückt und bieten immer mehr Andockstellen für Personen außerhalb dieser Szene, was zuletzt unter anderem eindrucksvoll bei den Konzerten von Deafheaven zu besichtigen war.
Dadurch werden nun allerdings auch vereinzelte Stilmittel dieser Genres interessant und laden Bands dazu ein, mit ihnen zu experimentieren. Das kann man jetzt verwerflich finden, aber gerade die Hardcore-Fraktion sollte sich vielleicht ins Gedächtnis rufen, dass Black Metal auch nur entstanden ist (grob verkürzt natürlich), weil skandinavische Metalheads aus Altem (Black Sabbath) und Neuem (Grindcore, paganen/satanistischen Texten und einem weitgehend misanthropen Weltbild) eine neue Suppe angerührt haben. Willkommen in der Postmoderne!
Was hat das jetzt alles mit Vaura zu tun? Nun, die Band aus Brooklyn bedient sich stellenweise recht großzügig beim (Black-)Metal. Daher könnte es tatsächlich passieren, dass man beim Anspielen glaubt, es mit einer Metalband zu tun zu haben. Einige der Mitglieder sind oder waren sogar mit anderen Projekten in diesem Genre aktiv, beispielsweise bei Gorguts oder Dysrhythmia, ihr Label Profound Lore spielt diesbezüglich sicher auch eine Rolle. Widmet man sich allerdings dem gesamten zweiten Album des Quartetts – obwohl, es reicht eigentlich schon der Titelsong „The Missing“ – tritt eine andere Nähe viel offensichtlicher in Erscheinung: Die zu Post Punk und Cold Wave.
Im Verlauf des Albums wird dies immer deutlicher, vor allem der Gesang, die Melodieführung und die Songstruktur tragen stark zu diesem Eindruck bei. So erinnert Joshua Strawns Intonation doch stark an Cold Cave, oder in seinen pathetischsten Momenten von mir aus auch an Editors oder Interpol, Selbiges gilt für die Gitarren. Ist das nun schlimm? Macht es „The Missing“ zu einer schlechten Platte? Mitnichten, denn Neues und Interessantes entsteht meistens gerade dann, wenn scheinbar unvereinbare Dinge zum Kollidieren gebracht werden – und das gelingt Vaura oft ausgesprochen gut. Das Einzige, was man ihnen vorwerfen könnte ist, dass sie diese Kollision nicht noch weiter getrieben haben, so finden sich auf „The Missing“ auch einige „konventionellere“ Goth-Songs. Diese jetzt allerdings als reines Füllmaterial abzutun, würde der Sache auch nicht gerecht werden. Vielmehr ist „The Missing“ insgesamt schon ein in sich geschlossenes Album, das auch zu unterhalten und zu überzeugen weiß, dem aber leider der letzte Funke Mut zu einer wirklich überragenden Veröffentlichung fehlt.


