Pick A PiperPick A Piper
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Label:
City Slang
VÖ:
02.11.2013
Referenzen:
Yeasayer, Hot Chip, Broken Social Scene, Caribou, Braids
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Autor: |
| Philipp Kressmann |
Kein Konzept ist auch Konzept. Sich keine Struktur zu verschreiben, zeugt auch von Struktur. So oder so ähnlich funktioniert das Debüt von Pick A Piper, der Gruppe um Brad Weber, seinerseits Drummer bei Caribou. Das ist nicht praktisches Aushängeschild im ökonomischen Sinne, sondern in diesem Fall auch wirklich hörbar. Pick A Piper haben Electropop gestrickt, der seine verkopfte Tendenz vor allem durch Polyrhythmik beweist und über die Pad- und Synthiewerkstatt hinausschaut. Anders formuliert: Man merkt, dass Weber nicht nur auf Electronic, sondern auch auf Jazz oder Afro-Sounds steht.
Das ist beispielsweise zu hören auf dem mehrschichtigen „Cinders And Dust“, in dem sich Beats, Effekte und ein tiefer Bass vereinen, oder dem mit viel Noise, Perkussion und Tribal-Drums angereicherten „Once Were Leaves“. Pick A Pipers Debüt ist eines, das im Zuge des Perfektionisten-Dranges der Musiker sicherlich sehr viel Feinschliff erhalten hat, denn die Gruppe besteht und produziert bereits seit 2008. Dass einzelne Passagen trotzdem nach Jam-Sessions klingen und fast schon ein wenig fragmentarisch anmuten, ist Pick A Piper daher hoch anzurechnen. Einzelne Songentwürfe wurden während des Aufnahmeprozesses auch spontan miteinander fusioniert, obwohl es sich ursprünglich um mehrere Ansätze handelte.
Der zentral angelegte Schlüsseltrack „South To Polynesia“ mit seinen Free-Jazz-Ansätzen im Modus von Saxophonsoli und Flötensequenzen ist diesbezüglich wohl das Paradebeispiel für jene kombinatorische Austauschform – und für das breite und weltgewandte Stilspektrum der Gruppe. Auf „Once Were Leaves“, für das Pick A Piper Raphaelle Standell-Preston von den hochgelobten Braids – neben ihr ist unter anderem auch Andy Lloyd von Born Ruffians auf dem Album zu Gast – verpflichten konnten, vernimmt man dann Posaunen und Hörner. In jedem Moment sind Pick A Piper quicklebendig.
Jene sind im Übrigen Nummern, die teilweise auch zwischen Track und Song schwanken (mit „Track“ sind längere und clubtaugliche Kompositionen im Electronic-Sektor gemeint, deren Strukturen das Songformat einer Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Sequenz nicht erfüllen). Trotz oder eher wegen dieser progressiven Herangehensweise schaffen es Pick A Piper, (mitunter) tanzbare und organische Popsongs wie „Dinghy In A Quiet Cove“ oder das verspielte „All Her Colours“ unterzubringen, die es erst einmal zu entknoten gilt, denn diese Truppe scheint detailverliebt. Unvermittelt denkt man an Yeasayer oder auch gelegentlich auch an Hot Chip – zumindest an deren experimentellste Momente.
Pick A Piper ist ein musikalisch versiertes, spannendes und heterogenes Debüt gelungen, aus dem man sich aber erst einmal eine ungefähre Einheit der Vielheit erarbeiten muss – kein Wunder, wenn sich eine Band ein halbes Jahrzehnt Zeit für acht Stücke nimmt. Sollte der Nachfolger nicht so lange auf sich warten lassen, stehen die Chancen gut, dass diese Band sich etabliert und nicht nur als interessantes „Projekt“ rezipiert wird.


