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Son Lux – Remedy

Es gibt verschiedene Wege, um Gedanken und Emotionen in eine künstlerisch verarbeitende Form zu bringen: laut und anarchisch, sich in Utopien flüchtend oder auch expressiv avantgardistisch. Von Son Lux – eine Band, die eh für ihren reifen und geerdeten experimentellen Sound verehrt wird – erwartet man Letzteres. „Remedy“ ist genau dieses Werk, das sich zwischen Zeitzeugnis, Kritik und Kunst eingliedert und stärker denn je aufzeigt, welch kreative Möglichkeiten Musik bieten kann. Am Ende kommen die Einnahmen durch die Download-Verkäufe konsequenterweise einer gemeinnützigen Organisation zugute, „dedicated to fighting hate and bigotry and to seeking justice for the most vulnerable members of American society”.

Auf vier Tracks vereint das Trio um Ryan Lott ein kleines, aber dichtes Netz als Antwort auf die sozialen und politischen Umwälzungen im Zuge der US-Präsidentenwahl im letzten Jahr. Diese Gegebenheiten und Reflexionen der Wirklichkeit lassen sich auf „Remedy“ akustisch, in einer ganz Son-Lux’schen Manier nachverfolgen. Explosiv, wenn auch pathetisch dargeboten, dabei aber nicht naiv oder Ressentiments schaffend, soll das Werk „what it means to live, to create, and to resist in America today“ illustrieren – und dies mit einer gewissen Schwermütigkeit, die auch schon von vorherigen Arbeiten des Trios bekannt ist.

Mit aller Eindringlichkeit zieht das eröffnende „Dangerous“ in seinen Bann. Explizite Lyrics („Are you dangerous?/ Carved right into my bed/ Quick lobotomy/ Then left me for dead”) in Verbindungen mit Lotts softer, manchmal gespenstisch verzerrter Stimme, einer starren Gitarren- und Streicherlinie und mal schweren, mal schwirrenden Electronics, zeigen die Richtung dieser EP an. Es brodelt.

In „Part Of This“ geht es nahtlos weiter: „I don’t wanna have to fight you anymore/ But I will, I will”. Auch hier steigert sich der Song im Zusammenspiel von Gesang, experimentell-rockigen Instrumentals und stakkatohafter Rhythmik. Wut und Unzufriedenheit bauschen sich auf, bis etwas zerbricht. So erscheint „Stolen“ musikalisch zwar am ehesten ruhig, doch sind bekanntlich ruhige Wasser tief und ein Blick auf die Lyrics lohnt sich auch hier. Unzufriedenheit muss nicht immer laut sein, unterschwellig bedrohlich ist zumeist effektiver. Dazu bedarf es nur tiefer Soundschnipsel und einer fast durchgehenden, streicher- und pizzicatoartigen Melodie.

Das Finale bildet der Titeltrack, ein mechanisches Uhrwerk, das durch den Gesang eines Chors Abmilderung bekommt. Musik heilt alle Wunden, kann Wunder bewirken? „To find a remedy/ To form a melody“. Einen Versuch ist es wert. Doch zieht sich der mechanische Sound bis zum Ende, bis er sogar den Chor verstummen lässt. Pessimistische Aussichten? Wie es ausgehen wird, wird sich zeigen. Schließlich befinden wir uns erst am Anfang des Ganzen.

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