
Mehr als über einen einzigartigen Sound beziehen die meisten Gitarrenbands ihre Identität über die Handschrift ihres Songwritings. Wie auch die ähnlich stark prägende Gesangsstimme steuert dieses entweder ein einziges Gruppenmitglied bei oder – zu unterschiedlichen Graden kollaborativ – mehrere. Vom ersteren Modell aufs letztere haben sich Dude York mit dem Einstieg von Bassistin Claire England verlegt, was ihrem dritten Album (ihrem ersten auf Hardly Art) nicht nur in dieser Hinsicht einen komplexeren, mehrstimmigen Charakter verleiht.
Das von Cody Votolato und John Goodmanson produzierte „Sincerely“ glänzt mit Hochdampf-Power-Pop, der dem Verstärkerdruck und der schnittigen Melodik gleich hohen Stellenwert zumisst und wie in „The Way I Feel“ für den Refrain beides lieber nochmal ein bisschen intensiviert. Selbst im fatalistisch-halbakustischen „Giving Up“ oder unter der nervösen Hochanspannung von „Paralyzed“ kommt die rotznäsige Bubenstimme von Peter Richards dabei kaum ins Schwanken, belebende Dynamik bringt das Trio aus Seattle dafür über die jeweils unbesungenen vierten Takte und den verschränkten Reim „I can tell/ from the love in your look/ that you’re looking for love“ in „Life Worth Living PT 2“ ein. Als Impulszünder der neuen Bandvitalität tritt aber spätestens in der Mitte des Albums England, deren Begleitgesang anderswo wahlweise anfeuert oder abfedert, deutlich in den Vordergrund: Auf einer exponential wachsenden Energiekurve treiben ihre Vocals „Tonight“ von Strophe über Prä-Refrain zu saftigen Powerchords und einem einzelnen, jubilant ausgerufenen Songtitel.
Suchen Dude York hier die Befreiung von emotionalem Ballast, beschreiben die meisten anderen Songs auf „Sincerely“ das Ringen damit – auch wenn man ihnen die Beklemmung nicht unbedingt anhört. Eine Ausnahme davon bildet das nicht minder denkwürdige, ebenfalls von England ausladend intonierte „Love Is“, eine so lustvolle wie zynische Umarmung von Folgewirkungen: „I’m a Courtney/ I will drain him/ From the screaming to the silence/ Yeah it’s toxic/ but I’ll dive in/ I can’t help it if I like him“. Auch in Worten lässt diese Band mehr aufhorchen als in ihrer früheren Inkarnation – die neue, heterogene Identität sitzt ihr gut.