
Die Soundtracks moderner Blockbuster können noch so orchestral ausschweifend, noch so wuchtig im Sounddesign werden, um gegen alle Explosionen und visuellen Bombast bestehen zu können: Subtilere Musikbegleitungen bleiben faszinierend. Während kommerziell erfolgreiche Gruselproduktionen wie die „Conjuring“- oder „Insidious“-Filme ihre Schockeffekte überaus plump mit Jump-Scares erzielen, hat für atmosphärisch versiertere Spannungsstreifen die Ästhetik analoger Synthesizer ihre jahrzehntealten Klangpinsel-Qualitäten erhalten.
Zeitgleich zu Disasterpeaces minimalistisch-digitalisierter Komposition für „It Follows“, Steve Moores oder Johnny Jewels Werken und der Revitalisierung des Altmeisters Carpenter hat sich dabei besonders der amerikanische Regisseur Adam Wingard seit „You’re Next“ um das Zusammenführen alter und neuer Vintage-Töne verdient gemacht. In „The Guest“ aus 2014 trafen Front 242 auf Annie und Neo-Synthwaver wie Gatekeeper und Perturbator, gegenüber denen die Beiträge von S U R V I V E aus Austin deutlich weniger druckvoll wirkten. Unbemerkt blieben sie jedoch nicht und die Aufmerksamkeit, die den beiden Bandmitgliedern Kyle Dixon und Michael Stein für ihre Tonarbeit an „Stranger Things“ zukam, hat sich ein gutes Stück weit auch auf das zweite Album ihrer Gruppe übertragen.
Wie schon ihr Debüt trägt dieses verschiedene Titel, entweder die Katalognummer „RR7349“ beim Label Relapse oder „HD037“ in der Kassettenausgabe von Holodeck. Evokativer sind da schon die Namen der Stücke selbst, doch auch hier scheint das Quartett große Vergleiche meiden zu wollen, wenn „Sorceror“ nur allzu knapp an Tangerine Dreams Soundtrackdebüt „Sorcerer“ vorbeititelt. Nichtsdestotrotz bleibt das Distinktionspotential begrenzt, wenn S U R V I V E sich allein über vertraute Sounds und etablierte Techniken ausdrücken. Darunter litt schon ihr Debüt, das selbst in seinen Phasen sphärischen Leerlaufs immer wieder stark an Jean-Michel Jarre und Vangelis erinnerte. Umso wirkungsvoller konzentrieren sich ihre neueren Stücke dafür um Songwriting und Rhythmik.
Frei vom moderaten Antrieb elektronischer Bassimpulse und Perkussion ist einzig das lange Raunen „Low Fog“, ansonsten schichten, sequenzieren und alternieren S U R V I V E Melodien zu oft eingängigem, doch nicht spannungsfreiem Effekt. Den erreichen sie durch ominöse Moll-Tonlagen, aus denen sich wie in „Sorceror“ oder „High Rise“ schnittig-eingängige Funkelharmonien erheben, drohende Brummvorhänge wie in „Dirt“ oder auch unbequem, mitunter wie vocoderhafte Menschenstimmen umhergeisternde Modulationen wie bei „Other“. Dort, wie auch dezenter in „Wardenclyffe“, geben außerdem industriell hämmernde, zischende Begleitgeräusche den Songdynamiken zusätzlich Kontur.
Überhaupt: Mit der größte Reiz an diesem Album liegt in der Feinabstimmung, die sich gut mit Kopfhörern genauer untersuchen lässt. Eine Gesamtdramatik, wie beispielsweise Umbertos meisterliches Giallo-Faksimile „Prophecy Of The Black Widow“ oder Zombis weniger proggige Relapse-Werke, lassen die Stücke untereinander jedoch missen, auch changieren wie „Copter“ manche wenig ergiebig zwischen ihren verschieden temperierten Segmenten. Da können die Drums noch so schön mit unterschiedlichen Halleffekten belegt sein, es ist der findig eingestreute, spukig die Aufmerksamkeit zum Refrain lenkende Tastenlauf, der „A.H.B.“ zu mehr als potentieller Bildbegleitung macht.