Website-Icon Leben mit Musik | AUFTOUREN.DE

Glass Animals – How To Be A Human Being

T. S. Eliots „Good writers borrow, great writers steal“ hat sich Dave Bayley, Sänger und Texter von Glass Animals, zu Herzen genommen. Aus heimlich im Alltag aufgenommenen Gesprächs- und Monologfetzen fantasiert sich das zweite Album der Oxforder eine Charakter-Galerie der Verschrobenen, Obsessiven und Verlorenen zusammen, die so mit Details gespickt sind wie der Sound von „How To Be A Human Being“: „He met a girl who wore Versace/ Pink feather coats and jumbo jewellery/ Gonna be a hoop phenomenon/ He’s gonna be Hakeem Olajuwan“, singsangt Bayley in „The Other Side Of Paradise“ über einem simpel-druckvollen Rap-Beat, den aggressive Aufrufe, vorsichtiger Gitarrenlauf und nervös tickende, tröpfelnde Perkussion umranken. So adrett die Soundspiele des prickeligen Märchengartens „Mama’s Gun“ oder des schwülstigen, an Fujiya & Miyagi erinnernden Kraut-Pops von „Pork Soda“ sind, werden sie gerade zu Beginn des Albums mehr zu Beiwerk als wirksamer Kolorierung. Neben ihrem Übermut erscheinen die Vocal- und Instrumentalhooks in geradlinigen oder flachen Melodiegängen auf Sparflamme gehalten, wenn sie nicht einmal in „Season 2 Episode 3“ ein synthiger Speedrun kurz aufleben lässt. Wie auch die phasenweise gestelzte Anbindung der Texte überwindet dies aber der spätere Teil des Albums mit mehr Funk im Gang – nirgendwo schöner verquast als bei „Poplar St“, wo Bayley über staksigem Groove und pressierter Gitarre an einen merkwürdig glamourösen Tom Waits gemahnt.

Die mobile Version verlassen