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The Knocks – 55

Ohne nennenswerte Promotion, geschweige denn eine physische Veröffentlichung, konnte man das im Frühjahr obendrein auch saisonal unpassende Erscheinen von „55“ leicht übersehen. Dabei wirkt das Debütalbum des Disco-Pop-Duos The Knocks doch wie ein energetisches Ostküsten-Pendant zu Classixx, das den Sonnenuntergang auf den Dächern seiner New Yorker Heimat mit offenen Armen zelebriert. Das gelingt deswegen so gut, weil die beiden ihre grifffesten, im Mid- wie auch Uptempo groovebewussten Beats mit ausdruckskräftigen (oder falls nicht, dann zumindest markanten) Stimmen wie der von Cam’ron, Carly Rae Jepsen oder Justin Tranter paaren – wohl das Highlight darunter Alex Newells imposante Performance über „Collect My Love“s fidelem Basslauf. Typische Synthesizer-Klänge nutzen The Knocks eher bei monotonen Sequencerläufen und als glitterigen Anstrich, fürs Zeichnen ihrer Instrumentalmelodien bevorzugen sie den klassischeren Touch resonanter Pianoanschläge und hoch am Brett gegriffener, cleaner Gitarren. Chorale, hymnische Begleitvocals und gelegentliche Pitch-Spiele (mit zerfließendem Talkbox-Effekt in „Dancing With Myself“, irreal glitchig in „Tied To You“, hoch und tief verraucht bei „The Key“) vertiefen derweil das stimmliche Fundament. Auch andere Sounds sind funktional wirksam designt, wie wenn zwei trockene Anschläge aus dem linken, dann aus dem rechten Stereokanal und schließlich ein mittig explodierendes Klatschen „Kiss The Sky“ euphorisch ausbrechen lassen. Nur gelegentlich lehnen sich The Knocks damit etwas zu weit hinaus, wie beim übermäßigen Blubbern im ohnehin mäßig gelungenen „I Wish (My Taylor Swift)“, aber „55“ besitzt genug inneren Zusammenhalt und stimmliche Flexibilität, um so einen Schwachpunkt zu überwinden.

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