
Ein Riesenerfolg, der tief in den 1990er Jahren verwurzelt ist und bis dato Musikgeschichte geschrieben hat, allerdings lange her ist: DJ Shadow kann solch einen Glanzpunkt auf seiner Vita vorweisen, sein „Endtroducing“ ist ein Meilenstein in Sachen Sampling und insbesondere für HipHop. Doch die Zeit vergeht und 20 Jahre später finden wir uns in einer Musikkultur wieder, die keine Grenzen zu besitzen scheint, ein Konglomerat an Stilen und Mixen mit einem unfassbar großen Sample-Archiv. Wenn in diesem Rahmen solch ein Altmeister nach fünfjähriger Abstinenz erneut eine Platte herausbringt, werden die Ohren hellwach und sind gespitzt.
Mit seinem nunmehr fünften Album „The Mountain Will Fall“ will sich Josh Davis vom immer noch gülden anhaftenden Image des „Sample Guy“ verabschieden. Die Freude am Experimentieren, eine Aufbruchsstimmung, der rastlose Wille, etwas Neues (für sich) zu kreieren sollen auch dieses Mal Anstoß gewesen sein. Einen guten ersten Eindruck dafür liefern die Kollaborationen mit Run The Jewels oder Nils Frahm („Bergschrund“), deren Namen momentan in aller Munde sind und die etwas von ihrem Flair abstrahlen. Während „Nobody Speaks“ fröhlich-netter Rap mit Blechbläsern und Beat ist, zeigt sich die Zusammenarbeit mit Frahm als klanglich dichte, sphärisch schwermütige Electronica.
Auch die weiteren Feature-Stücke wie „Ashes To Ocean“ (ozeanischer Ambient mit Matthew Halsall) oder „The Sideshow“ (kantiger HipHop mit Ernie Fresh), mal ohne, mal mit Gesang sind allesamt klasse. Dazwischen finden sich immer wieder Störfunktionen, die mehr verstören wie das gruselige, mechanisch-elektronische „Depth Charge“ oder das beatfrickelige, stressige „Ghost Town“. Ein Auf und Ab der Stile, der Stimmung und der Hörgewohnheiten entfaltet sich.
Diese irritierenden Momente bewirken aber, dass man nicht den richtigen Bogen spannen, geschweige denn zufrieden dieser Ambivalenz zuhören kann. Etwas mehr Leichtigkeit hätte nicht geschadet, denn die Anstrengungen und das anscheinend immer noch schwer auf DJ Shadow lastende Meilenstein-Erbe machen sich bemerkbar. Die Idee für „The Mountain Will Fall“ ist gut, die Umsetzung leider nicht auf den Punkt gebracht – es bleibt ziemlich zäh.