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In der künstlerischen Entwicklung von Album zu Album fallen kleinere, durchaus signifikante Meilensteine ja schon mal unter den Tisch. Daher sei an dieser Stelle der Vollständigkeit halber erwähnt, dass September Girls schon auf der „Veneer“-EP Ende 2014 einen deutlichen Sprung nach vorne gegenüber ihrem im gleichen Jahr erschienenen Debüt vollzogen. Den festigt das Dubliner Quintett auf seinem zweiten Album entschieden: Geschichts- und literaturbewusst referenziert es soziopolitische Problematiken der Gegenwart, die sich schon durch die Jahrzehnte gehalten haben, aber auch ziemlich frische. Songs wie „Catholic Guilt“ kritisieren die irisch-katholische Kirche für ihre Haltung zu Kindesmissbrauch und Frauenrechten, „Wolves“ oder „Love No One“ widmen sich Tücken der Eigenwarnehmung, während das Titelstück Rachepornos thematisiert. Ihrer Skepsis gegenüber dem Status Quo entsprechend üben sich September Girls‘ (post-)punkige Schroffheiten nicht in stereotyp aggressiver oder barscher Pose, sondern verschmelzen in originelle, durchaus auch psychedelische Verdichtungen und Spannungszonen: Im schamanisch-tiefenatmosphärischen „Jaw On The Floor“ hängen ungemütliche Vocal-Harmonien über grollendem Bass, bei „Blue Eyes“ überschlagen sich die Stimmen wüst, während die ausufernde Orgel anderswo an traditionelle irische Folk-Leiern erinnert. Dass „Age Of Indignation“ in dieser Multiplizität der Stimmen – alle fünf wechseln sich in Songwriting und Gesang ab – nicht zerfällt, liegt am spielerischen Zusammenhalt, den die Band schon früh zutage legte. Nun können ihre gereiften Kompositionen eindrucksvoll davon zehren.