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Nothing – Tired Of Tomorrow

Die Geschichte hinter Nothings zweitem Album ist eine Odyssee der Gefühle und unglücklichen Umstände. Nach einer Show in Oakland wurde Bandchef Domenic Palermo im Mai 2015 auf offener Straße ausgeraubt und übel zugerichtet, als Folge dieser Verletzungen musste auch die Band einen Gang runterschalten und das exzessive Touren erstmal ad acta legen. Palermo begann, auch unter dem Eindruck dieser Erfahrung, am Material für „Tired Of Tomorrow“ zu arbeiten. Ursprünglich sollte das Album bei dem neugegründeten Collect Records erscheinen, bis sich herausstellte, dass ein berüchtigter Hedgefond-Manager der Hauptinvestor des Labels war. Nothing trennten sich vom Label und so wäre „Tired Of Tomorrow“ vielleicht ins Nirwana der nie veröffentlichten Alben gewandert, hätte sich nicht wie schon bei „Guilty Of Everything“ erneut Relapse darum gekümmert. Dieser Umstand wäre rundum schade gewesen, denn Nothing gehen (für ihre Verhältnisse) noch einen ganz großen Schritt weiter in Richtung Shoegaze und Alternative Rock. Allein schon wegen des Schlagzeugspiels wäre „Powergaze“ weiterhin eine passende Stilbezeichnung, allerdings spielt die Band inzwischen noch versierter diverse Referenzkarten aus: Twin-Peaks-Stimmung in „The Dead Are Dumb“, Nirvana und Smashing Pumpkins bei „Eaten By Worms“ und natürlich erneut die übermächtigen My Bloody Valentine, aber es wird auch sanfter, poppiger, verspielter. Die frühe Bandvergangenheit echot nur noch in vereinzelt eingeworfenen Metalriffs durch die Musik. Erscheint „Tired Of Tomorrow“ nach den ersten Durchgängen noch als schön, aber im Grunde völlig redundant, weicht diese Einschätzung jedoch mit jedem weiteren Durchgang. Die Platte entwickelt sich als sehr angenehmer Grower, der trotz des bitteren Sujets und der widrigen Umstände seiner Entstehung Wärme und Ruhe ausstrahlt.

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