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Josh Ritter – Sermon On The Rocks

Schon auf den ersten sieben Alben erzählte uns Josh Ritter uramerikanische Geschichten. Geschichten, denen er mit seiner Musikalität Leben einhauchte, sie somit erfahrbar und nachvollziehbar machte. Daran hat sich auch nichts geändert, doch rücken nach dem melancholischen „So Runs The World Away“ und dem intimen „The Beast In Its Tracks“ dynamische Rhythmen und hymnische Refrains in den Vordergrund.

„I feel a change in the weather, i feel a change in me“, singt er im fabelhaften „Homecoming“, trotz aller Vergleichbarkeit zu den vergangenen Alben merkt man „Sermon On The Rocks“ deutlich mehr Lockerheit an. So sehr bei sich und mich zufrieden zu sein, ist nach der Scheidung von seiner einstigen Partnerin Dawn Landes und dem schweren Trennungsalbum „The Beast In Its Tracks“ nicht ganz einfach und doch versammelt Ritter hier Songs, die vor Spielfreude und Energie nur so strotzen. Deutlich intensiver im Klangbild als zuvor präsentiert er kraftvollen Southern Rock im kernigen „A Big Enough Sky“ oder lässt in „Where The Night Goes“ deutliche Anklänge an Bruce Springsteen aufkommen.

Doch nicht dass „Sermon On The Rocks“ damit zur zitatenreichen Revue verkommen würde, Ritter interpretiert vielmehr – bewusst oder unbewusst – seine Musikerkollegen und lässt ihren Charakter in die jeweiligen Songs wie selbstverständlich einfließen. Das fängt beim mystischen Eröffnungsstück „Birds Of The Meadow“ an, das auch in Tom Waits‘ Diskographie nicht weiter störend aufgefallen wäre und endet beim verschleppten Country-Schunkler „My Man On A Horse (Is Here)“, der fast so sehr nach Nashville klingt wie zu Zeiten Johnny Cashs oder Waylon Jennings‘. Ritter selbst imitiert dabei aber weder die Waits’sche Höllenlunge noch das reibende Timbre des Man in Black, er bleibt er selbst und genau das lässt die Songs in ihrer Varianz hervorragend funktionieren.

Ganz besonders gut ist Ritter immer dann, wenn er seine Stücke eher von der erzählerischen Seite aufbaut. Neben dem zweigeteilten „Young Moses“, dessen Bridge den lockeren Roots-Rock geschickt abbremst und dem wortreichen „Henrietta, Indiana“, das mit Sicherheit jetzt schon zu den begehrtesten Live-Kandidaten zählt, fällt hier vor allem „Getting Ready To Get Down“ auf. Eigentlich eine muntere Line-Dance-Nummer – man beachte hierzu das herrliche Video –, bewirbt es sich nicht nur durch den kritisch-kryptischen und mit zahlreichen Anspielungen gespickten Text um den Song des Jahres. Es ist die unglaublich positive Stimmung, das geschmeidig Zurückgelehnte, dieses Laidback-Feeling, das Ritter danach vor allem noch einmal im bereits erwähnten „Homecoming“ erreicht.

Fokussierte Lässigkeit ist es, was Josh Ritter auf „Sermon On The Rocks“ perfektioniert und selbst bei den langsamen Stücken wie dem gefühlvollen „Seeing Me Round“, das ein wenig wie ein Überbleibsel des letzten Albums wirkt und es in seiner Bildhaftigkeit ein wenig übertreibt, erreicht. Ihm dabei über die Schulter zu schauen, macht nach wie vor Spaß und schürt die Neugier darauf, welchen Spiegel er uns beim nächsten Mal vorhalten wird. Denn wenn Predigten mal so formvollendet und gefällig vonstatten gehen, darf er uns gerne weitere halten.

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