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Helena Hauff – Discreet Desires

Rough, schmutzig und ein bisschen kalt – so beschreibt Helena Hauff ihren Sound selbst. Ihr Debüt „Discreet Desires“ ist eine Hommage an Electro und industriellen Techno, eine Liebeserklärung an jene Maschinen, die die Grenzen zwischen Musik und reinem Sound auflösten und nebenbei der Beweis, dass Nerdtum in der elektronischen Musikszene nicht per se männlich konnotiert sein muss.

Musik begreift Hauff als radikale Kraft und als vergemeinschaftendes Moment. Verglichen mit ihren vorherigen EPs, die unter anderem auf Werkdiscs, Ninja Tune und Panzerkreuz Records erschienen, wirkt „Discreet Desires“ als erstes vollständiges Album eingängiger und songstrukturierter. Obwohl sie ihrem eigenen Label den Namen „Back to Disorder“ gegeben hat und sich selbst in Interviews gern zum eigenbrötlerischen, dauerhaft selbstkritischen Genie stilisiert, das das Chaos seiner überquillenden Plattenkisten autistisch überschaut, scheint sich die Hamburgerin genau ihres Handelns bewusst und auch der Erwartungen, die an sie gestellt werden.

Die radikale Einfach-mal-machen-Attitüde, mit der sie an ihre Musik herantritt, wird auf den 10 Tracks des Albums deutlich hörbar. Sie entwickeln aus sich selbst heraus, entstammen keinen vorgefertigten, überfrachteten Konzepten, sondern impulsivem Jammen in einem Take. Mit der für Analogfetischisten klassisch gewordenen Besetzung aus TR-808, TB-303 und TR-707 komponiert Hauff aus leitmotivischen Strukturen fast schon sakral anmutende Soundkonstrukte, die in ihrem überlagerten Aufbau so verwoben wie transparent erscheinen. Trotz der durchgehend rauen Soundästhetik und des reduzierten Equipments, das sich auch nach 30 Jahren D.A.F. offenbar immer noch nicht totgespielt hat, steht jeder Track durch eingängige, beinahe kantable Synthiemelodien und warme Harmoniebetten eigenständig für sich. Diktat ist allein was Hauff in ihrem flüchtigen Schaffensprozess gefällt, so dass ihre vielfältigen Einflüsse von Industrial, Dark Wave, Acid und Techno eklektisch vermischt werden.

Trotz aller düsteren Schönheit haftet dem Album ein morbider Fatalismus an, der sich in Titeln wie „L’Homme Mort“ „Funeral Morality“ oder „Silver Sand & Boxes Of Mould“ und der kryptischen Aussage ihres Pressetextes „nur der Tod ist perfekt“ widerspiegelt. Hauff liebt die Provokation und punkartige Widerständigkeit, gegen universitäre Kontexte, gegen Rollenklischees und gegen die sich selbstoptimierende Gesellschaft. „Es geht bei Clubkultur darum, eine Nacht lang gemeinsam durchzudrehen, ein bisschen zu saufen, ein bisschen Blödsinn zu machen – und sich am nächsten Morgen scheiße zu fühlen.“ Endlich bringt es mal wieder jemand auf den Punkt.

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