![]()
Das Covermotiv suggeriert live dargebotene Entgrenzung, Drogen und hemmungslosen Rock’n’Roll – bis man sich ekstatisch zuckend in den Schweiß- und Bierpfützen auf dem Bühnenboden wälzt. Dabei spielen No Joy, eine Formation aus Kanada, auf ihrem dritten Album „More Faithful“ eher architektonischen Shoegaze, wie er um 2010 von A Sunny Day In Glasgow oder School Of Seven Bells propagiert wurde. Erstere sind immer noch aktiv und haben erst kürzlich mit „Sea When Absent“ ein herausragendes Alben veröffentlicht, Letztere haben ihren Stil in Richtung Synthie-Pop weiter entwickelt und mussten herbe persönliche Schicksalsschläge hinnehmen, seit denen Funkstille herrscht. Beider Darbietung zeichnete sich bei aller musikalischen Divergenz vor allem durch einen kaskadierenden Frauengesang aus, der auch bei No Joy der sofort in die Gehörgänge flirrende Faktor ist. Ansonsten werde ich den Eindruck nicht los, dass No Joy überall in der Geschichte wirklich ganz genau hingehört haben und im gewissen Sinne eine musikalische Reise durch diverse Inkarnationen von Shoegaze zelebrieren. Leiernde My-Bloody-Valentine-Passagen, End-80er-Sound, wilde Ausbrüche wie bei den Urvätern von The Jesus And Mary Chain (wobei diese freilich nie das Heft in die Hand nehmen), alles angenehm einnehmend dargeboten und produziert. „More Faithful“ ist delikat, wie ein französischer Rotwein. Aber reicht das? Mir irgendwie nicht ganz.