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Unknown Mortal Orchestra – Multi-Love

Ruban Nielson war einkaufen. Statt den Vorschuss der Plattenfirma für das dritte Album seiner Band Unknown Mortal Orchestra in die Produktion zu stecken, hat er verstaubte Synthesizer erworben, um damit sein verschrobenes musikalisches Universum auf dezente Tanzbeine zu stellen.

Vor fünf Jahren veröffentlichte der in Portland ansässige Neuseeländer mit dem Song „Ffunny Ffriends“ einen kleinen Geniestreich auf seinem Bandcamp und startete damit einen etwas unbeabsichtigten musikalischen Neuanfang. Nach der Auflösung seiner Band The Mint Chicks hatte sich Nielson eigentlich eine musikalische Pause verordnet. Aber die Resonanz auf diese Lo-Fi-Perle ließ ihm offensichtlich keine Wahl und Unknown Mortal Orchestra waren geboren.

Nach zwei von nostalgisch wabernder Psychedelik durchsetzten Alben ist mit „Multi-Love“ der Zeitpunkt gekommen, das stilistische Sammelsurium neu zu ordnen. Weniger Gitarren und Sinnieren über die Einsamkeit („Isolation can put a gun in your hand”), stattdessen rein in die vernebelte Lo-Fi-Disco mit viel Soul, etwas Funk und einem bunten Strauß beziehungstechnischer Komplikationen im Gepäck („Multi-Love, checked into my heart and trashed it like a hotel room“).

Das Album entstand wie seine Vorgänger in Nielsons Heimstudio, welches auch das Cover von „Multi-Love“ ziert und eine passende Visualisierung der vorherrschenden Geräuschkulisse darstellt: antiquiert wirkendes Instrumentarium unter einer großen, wärmenden Lampe. Im Ergebnis sind Unknown Mortal Orchestra damit teilweise erstaunlich nahe an Hot Chip oder von mir aus auch Daft Punk, zerfasern aber in alle möglichen Richtungen. „Ur Life One Night” lässt unweigerlich an Prince denken, „Can’t Keep Checking My Phone“ ist voll von 70er Jahre Disco-Chic (inklusive blubbernder Basslinie), „Necessary Evil“ überzeugt mit gedämpftem Soul und in „The World Is Crowded“ sind deutliche R’n’B-Anleihen zu vernehmen. Höhepunkt des Albums ist aber vielleicht das getragene „Extreme Wealth And Casual Cruelty“, in dem ein nuschelnder Ruban Nielson zeitweise wie Louis Armstrong klingt und sich sogar ein vom eigenen Vater eingespieltes Saxophonsolo unaufdringlich einreihen kann.

Falls sich ein Fan der ersten Stunde angesichts solcher Neuigkeiten bestürzt abwenden sollte: Auch für die von den ersten beiden Alben gewohnten Klänge bleibt genug Platz. Mit „Multi-Love“ gelingt der Band ein bemerkenswerter stilistischer Umbruch unter Beibehaltung bewährter Strukturen und Herangehensweisen. Es ist ihr bislang vielseitigstes, soundtechnisch ausgereiftestes und
bestes Album, voller potentieller kleiner Hits. Unknown Mortal Orchestra liefern nach wie vor den passenden Soundtrack, um in der Abenddämmerung unter Drogeneinfluss Blumen zu pflücken. Nur dieses Mal kann man auch noch dazu tanzen.

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