
Man stelle sich die Übertragung einer großen Preisverleihung vor, wo man bei der Hälfte der wichtigsten Segmente nur ein tonloses Standbild serviert bekommt. Dieses zweifelhafte Erlebnis kann man sich mit der zweiten Ausgabe der Youtube Music Awards nun auch in echt gönnen, denn dank der weiterhin beidseitig kompromisslosen Verhandlung zwischen Google und GEMA steht Deutschland bei einem derartigen Ereignis mal wieder ziemlich provinziell da.
Zumindest ein paar der Hauptattraktionen – dieses Mal ganz einfach Videopremieren namhafter und/oder finanzkräftiger KünstlerInnen – haben es aber noch auf anderen Wegen online geschafft, so wie das Feld-, Wald- und Seidenfest von FKA twigs oder Greg Jardins Vorwärts-Rückwärts-Simultanvideo. Obendrein hagelte es auch abseits der Du-Röhre diese Woche eine wahre Unmenge an sehenswerten und/oder prestigeträchtigen Musikvideos wie A.G. Rojas‘ Meditation über das Erschöpfende am sozialen Konflikt, weswegen eine qualitativ erbsenzählerische Auswahl diesmal nur an der Oberfläche kratzen kann. Dennoch, ganz kompakt: Ein Dreiviertel-Dutzend Animationsfreudiger nimmt sich Dan Deacons an, Callum Cooper taucht schwindelerregend über und unter die Wasseroberfläche, Jorge Torres-Torres schneidet rasant durch nihilistische Party und jeden Preis, während Vincent Haycock in einer elegisch langen Einstellung lieber gar nicht schneidet.
FKA twigs – Glass & Patron
Regie: FKA twigs
Dan Deacon – When I Was Done Dying
Regie: Jake Fried, Chad VanGaalen, Dimitri Stankowicz, Colin White, Taras Hrabowsky, Anthony Schepperd, Masanobu Hiraoka, Caleb Wood & KOKOFREAKBEAN
Run The Jewels – Close Your Eyes (And Count To Fuck)
Regie: A.G. Rojas
MAX – Gibberish
Regie: Greg Jardin
Rhodes – Turn Back Around
Regie: Callum Cooper
Modest Mouse – Lampshades On Fire
Regie: Jorge Torres-Torres
Florence + The Machine – St Jude
Regie: Vincent Haycock