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Ghost Culture – Ghost Culture

Kaum ein Wort wurde in den vergangenen Jahren über Ghost Culture geschrieben, ohne seine langzeitig namentliche und visuelle Anonymität hervorzuheben. Doch das Klischee vom phantomhaften Unbekannten, das oft nur auf Recherchefaulheit verwöhnter MusikjournalistInnen erwächst, ist bei James Greenwood durchaus über sein Pseudonym hinaus auch musikalisch relevant. Nicht mit fokussierter Persönlichkeit überwältigt sein Dance-Pop, sondern schleicht sich behutsam mit nebliger Atmosphäre an und enthüllt erst nach und nach, was sich unter seinem Mantel versteckt.

Greenwood belässt es nicht dabei, eine Atmosphäre aufzubauen, in der man sich den Rest zusammenfantasieren muss, doch allein schon das gelingt ihm höchst effektiv. Selbst wenn seine Stimme in einem Song bereits nach ein paar Sekunden auftritt, ist die Bühne schon in Nebel und Dämmerlicht verhangen. Sein Songwriting hält Ghost Culture stets in gesunder Distanz zu albernem Spuk, ist aber kaum der Star, wenn beim in ¾-Takt schaukelnden „Glaciers“ Vintage-Stöhnsynths und Saitenzupfen in bemerkenswert ähnlicher Klangfarbe mitseufzen, was Greenwood aus scheinbar mikrometernaher Distanz ins Mikrophon raunt. Über eine leicht acidhafte Tontriole und graduell intensiver aufwallende Spuk-Oszillationen beginnt „Mouth“ dem Albumtitel konform, öffnet damit aber nur einem ebenso atmosphärisch starken, über Bleeps und Snare-Rollen variierten House-Kick die Tür, dessen bedächtigere Phasen fast schon unnötig mit Gesang gefüllt werden. Oft sind es findige Momente wie das ungemütlich dichte „Lucky“-Loop, in denen Ghost Culture besonders interessant die Schemata von Popsong oder Kopfhörer-Dance aufbricht, denen er sich nicht so ganz unterwerfen mag.

Schon sein musikalischer Werdegang zeichnet den Weg eines Hardware-Tüftlers, der sich zunächst im Hintergrund hielt: Vom Tonabmischer für Livekonzerte im örtlichen Londoner Plattenladen Pure Groove zum Studiotechniker unter Mentorschaft von Leuten wie Timothy J. Fairplay, Daniel Avery (an dessen „Drone Logic“ Greenwood schon mitwirkte) und Phantasy-Labelchef Erol Alkan, der seine typisch originellen Produktionsideen mit exotischer Ausrüstung zur Kreation von Ghost Cultures Debütalbum beisteuerte. Die werden sich aber aufs nuancierte Detail beschränkt haben, denn stilistisch kommt „Ghost Culture“ wie aus einem Guss daher.

Das macht es zeitweise schon zu eintönig, wenn sich der der nächste Beat in gleichem Ambiente anwälzt. Ausnahmen wie das anfangs melancholische, später durchaus horrorsoundtrackige „The Fog“ (kein Carpenter-Cover, wohlgemerkt) gibt es nur selten, zeigen aber auch, dass Greenwood selbst mit seinem bisherigen Ansatz noch mehr Potential birgt.

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