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AUFTOUREN 2014 – Die Musikvideos des Jahres

Länger noch als neue Alben kamen bis kurz vor Weihnachten neue Musikvideos heraus, die für diese Liste zu berücksichtigen waren, doch jetzt kann man sie wohl festmachen: Die 30 visuellen Jahreshighlights aus Bildspektakel, cleveren ideen, technischer Raffinesse und viel Attitüde. Film ab!


30

 

Nicki Minaj – Anaconda

Regie: Colin Tilley

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Twerking done right: Bananen müssen leiden, Drake kriegt einen auf den Griffel und wer hier in Minaj nur ein Sexobjekt sehen kann, sollte vielleicht einmal tief in sich gehen.


29

 

St. Vincent – Digital Witness

Regie: Chino Moya

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Geht doch mit der Architektur und dem Tanzen. Zumindest streng im Rhythmus gehen alles und jede in Moyas bestechender Surreal-Totalitärwelt, bis hin zu Annie Clarks taktgetreuem Augenzwinkern.


28

 

Electric Youth – Runaway

Regie: Noel Paul

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Es gibt Songs, da resultiert der offensichtliche Ansatz im perfekt passenden Musikvideo: ein Paar auf der Flucht vor Alltagsgewissheit, viele Fahrtszenen, Küstenwind und erleuchtete Nachtszenen. Den letzten inspirierten Schliff geben da die nicht gerade „Drive“-neonhafte Szenerie Beiruts und die langsam hochbrodelnde dramatische Narrative.


27

 

Savages – Fuckers

Regie: Giorgio Testi

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Eines der weitesten, breitesten Musikvideos des Jahres spielt sich auf dem relativ schmalem Raum einer Konzertbühne ab. Anfangs nur auf die Sängerin von Savages fokussiert, richtet sich die Perspektive dieser zunehmend intensivierten Liveperformance, bis auch die ekstatisch zuckende Menge mit im Bild steht.


26

 

Jennifer Lopez – I Luh Ya Papi

Regie: Jessy Terrero

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Spätestens seit „Blurred Lines“ werden Musikvideos von Amateuren mit invertierten Genderrollen haufenweise online neu inszeniert, um diese oft zu einfach hingenommene Ungleichheit kritisch zu hinterfragen. Doch wie wohl auch das für die Allgemeinheit erklärerische Intro zeigt, ist es noch etwas Besonderes, wenn ein Popstar tatsächlich den Spieß umdreht und sich von Rap-Honeys umräkeln lässt – ohne sich dabei aber selbst auf eine stereotyp männliche Rolle einschränken zu lassen.


25

 

Philip Selway – Coming Up For Air

Regie: NYSU

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In gewisser Weise haben NYSU hiermit ein Meta-Videos gemacht, das den Vorhang lüftet, wie am Filmset die Butter aufs Brot kommt. Der Clou daran ist aber, wie sie selbst damit wiederum ein stylisches Video gemacht haben, das so der Entblößung des visuellen Tricks ein eigenes visuelles Flair zukommen lässt.


24

 

Code Orange – I Am King

Regie: Max Moore

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Max Moore ist in einem Meer von Videomachern für Bands der härteren Gangart einer der wenigen, der seine Clips nicht auf 08/15-Bandperformances beschränkt oder exzessiv auf fahrige Effektbearbeitung setzt, sondern von Grund auf eindrucksvoll gefilmte Bilder vorlegt. Hier schafft er es sogar, Code Orange als Teil der nicht zu greifbaren Handlung in Aktion zu zeigen, dass in der Scheune ordentlich körniger Dreck und Staub aufgewirbelt wird.


23

 

FKA twigs – Two Weeks

Regie: Nabil Elderkin

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Es ist ein eher ungewöhnliches Video für Elderkin, der zwar ohnehin alle zwei Monate mit einem neuen Konzept aufkommt, dabei aber nie soviel Ruhe zeigte wie hier. Als wäre seine Kamera selbst von FKA twigs gebannt, zoomt sie langsam zurück und gibt Aussicht auf die große Gesamtszenerie, wagt es dabei aber nicht, ihren Blick nur einen Millimeter vom Fokuspunkt abzuwenden oder gar zu blinzeln.


22

 

Brunettes Shoot Blondes – Knock Knock

Regie: Brunettes Shoot Blondes

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Vielleicht wäre es einfacher gewesen, weiße Bildschirme nachträglich per CGI mit Animation zu füllen. Das würde es aber nur noch eindrucksvoller machen, wie die Band aus Kiev mit viel Handarbeit ihre Tablets und Smartphones rotiert und schiebt, um in Echtzeit eine virtuelle Erzählwelt über einen Tisch zu spannen.


21

 

Stromae – Ta Fête

Regie: Lieven Van Baelen

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Sieht so der Nike-Werbespot für einen beklemmenden Zukunftssport aus? Grandios und actionhaltig genug ist der Lauf durchs Labyrinth jedenfalls, doch Van Baelen macht das Spektakel noch nebenbei zum neuen Arena-Gladiatorenspiel, inklusive Stromae als bestimmendem Imperator.


20

 

RATKING – Canal

Regie: Eric K. Yue

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Hype Williams in allen Ehren, aber Hochglanz wäre hierfür der völlig falsche Ansatz gewesen. Als New Yorker weiß das Eric K. Yue wohl auch selbst am besten und transportiert uns auf angedrecktem 16mm-Film durch Manhattan, in nachvollziehbar zackigen Schritten und Schnitten, die das Energieniveau der Rapcrew glatt noch zu toppen suchen.


19

 

Shamir – On The Regular

Regie: Anthony Sylvester

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„On The Regular“ ist streng genommen nicht Shamirs erstes Musikvideo oder seine erste Single, doch besonders visuell die Art von Selbstpräsentation, mit der man einen ersten Eindruck machen will. Verspielt, nonkonform und auf jeden Fall mit genug Kuhglocke unter der Discokugel.


18

 

Kyle Bobby Dunn – Spem In Alium & Her Unable

Regie: Joey Bania

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Kyle Bobby Dunn macht keine Musik, bei der man sofort, als zweites oder auch drittes an ein Tanzvideo denkt. Doch ähnlich wie man aus einem Justin-Bieber-Song mit genügend Zeitdehnung einen bezaubernden Luxus-Drone machen kann, verlangsamt Bania rhythmische Bewegunge, bis sie nur noch als Fluss zu Dunns schwebendem Ambient erscheinen.


17

 

Kyary Pamyu Pamyu – Kira Kira Killer

Regie: Jun Tamukai

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An Kyary Pamyu Pamyus Musik kann man sich gewöhnen. Ihre Videos mit Jun Tamukai jedoch schaffen es immer noch, diesen verdatterten „Was zur Hölle ist da gerade passiert?“-Eindruck zu hinterlassen, den einst „Pon Pon Pon“ hervorruf und von ihren drei diesjährigen Clips vermochte das keiner besser als dieser hyperaktive Drehkoller.


16

 

Ulrich Forman – I Got You

Regie: Garnier / Le Gallo

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Ein wenig erinnert die aufgedunsene Zeitraffer-Optik mit Hang zu rasanten Schwenks und Kamerafahrten an die Monster-Egoperspektive in Filmen wie „Evil Dead“, doch diese Bilder sind alles andere als gruselig. Auch wenn sich ab und an ein kleines Feuerwerk einschleicht, wird hier vor allem das Alltägliche zum visuellen Spektakel.


15

 

Kiesza – Hideaway

Regie: Kiesza, Ljuba Castot & Rami Samir Afuni

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Ein Take, eine Tanzchoreographie. Dass daraus auch noch ein Radiohit werden würde, der irgendwann nur noch zum Hals raushängt, war sicher zunächst nicht abzusehen, doch das macht das dazu beitragende Video sicher nicht weniger eindrucksvoll. Insbesondere, weil Kiesza das Ganze auch noch mit gebrochener Rippe durchzog – wer das schon mal erlitten hat, weiß, wie schwer allein schon das Atmen durch den Schmerz fällt. Hut ab dafür!


14

 

Javiera Mena – Espada

Regie: Luis Cerveró

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Einen Hehl machte die Chilenin aus ihrer Sexualität noch nie, doch Luis Cerverós Clip macht mehr als nur queere Symbolik explizit. Ein kunterbunter Spaß aus Rollenspielen, Masken, Schwert, Lippenstift und ganz viel Neon.


13

 


Ben Khan – Youth
GEMS – Sinking Stone

Regie: BRTHR

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Der Stil des Regieduos aus Alex Lee und Kyle Whiteman ist nicht ganz leicht zu beschreiben, aber umso deutlicher zu erkennen. 2014 fanden BRTHR auf durchweg hohem Niveau zu ihrer höchst eigenen Clipästhetik, die sich besonders gut als Bilderflut mit dem ebenso jungen Ben Khan paart und die Narrative von „Sinking Stone“ denkwürdig illustriert.


12

 

Robot Orchestra – Invisible Smoke

Regie: Grégoire Orio & Grégoire Couvert

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Hat man einmal gemerkt, was an ihren lichtgedämmten Landschaftsaufnahmen nicht so ganz stimmt, erfährt erst die volle Tragweite dieser Bilder. Hier hängt ein Arm vom Baum, dort ragt ein Fuß unterm Steinhaufen hervor, bis man irgendwann überall Leichen zu sehen glaubt.


11

 

Taylor Swift – Blank Space

Regie: Joseph Kahn

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Swift mag das Privileg genießen, sich als größter Popstar des Jahres einen derart teuren Clip leisten zu können, doch großartig wird er erst durch ihre eigene Performance. Da bleibt kein Lidschatten trocken und kein Luxusgut sicher.


10

 

FKA twigs – Video Girl

Regie: Kahlil Joseph

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So deutlich und eingängig wie auf „Two Weeks“ trat FKA twigs noch auf keinem anderen Song ihres Debüts hervor. Eher hält sie sich im Zwielicht, im Schatten, in der Nuance oder Mehrdeutigkeit und bleibt so auch im grautönig-morbiden Hinrichtungsvideo ungreifbar.


9

 

Emilie Nicolas – Grown Up

Regie: André Chocron

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Eigentlich hat André Chocron nur alte Amateur-Heimaufnahmen von Emilie Nicolas‘ Familie umgeschnitten – doch wie, doch wie! Musikalische und bildliche Bewegung gehen eine Symbiose ein, in der ein Teil den anderen erhöht und zu tiefer emotionaler Resonanz führt.


8

 

Nicki Minaj – Lookin Ass

Regie: Nabil Elderkin

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Über die Pupillen-Reflektion fragt sich auch dieses Video Elderkins, wohin der Blick geht, auch in diesem Video sagt Minaj ganz klar an, wohin er zu gehen hat: Dahin, wo sie will, ansonsten ins Mündungsende eines Schnellfeuergewehrs.


7

 

2 Many DJ’s – As Heard On Radio Soulwax, Part 2

Regie: Glyn Peppiatt

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Weitaus mehr als ein Video kam 2014 auf die Idee, klassische Albumcover zu animieren. Nur Glyn Peppiatt besaß die Kühnheit und Ausdauer, dies über eine komplette Stunde hinweg durchzuziehen und dabei noch die Mashup-Überschneidungen der OGs von 2 Many DJ’s mit einzubauen.


6

 

Perfume Genius – Grid

Regie: Charlotte Rutherford

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„We get that he is gay and proud, but does he have to intensely show it?“ fragt ein intoleranter Kommentar auf Youtube unter dem anderen Video, mit dem Rutherford Mike Hadreas dieses Jahr nicht minder wunderbar in Szene gesetzt hat. Die Antwort ist einfach: So lange andere Musiker ihre Heterosexualität in Musikvideos aggressiv als die Norm darstellen, so lange brauchen wir mindesten ebenso viele Clips wie diese, die zeigen, dass Männlichkeit in Wirklichkeit auch glamourös aussehen kann.


5

 

Orange Caramel – My Copycat

Regie: DigiPedi

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Mit eigenwilliger Pastell-Farbpalette und viel Style produziert das Team von DigiPedi ungewöhnliche Clips geradezu am Fließband, doch nur mit Orange Caramel blühen sie zu vollem Ideenreichtum auf. Das Meerjungfrauen-Gangster-Sushi vom Jahresbeginn toppten sie nochmal locker mit diesem wahnsinnigen Suchspiel-Konzept, das sich selbst am Ende mit einer naheliegenden Hommage krönt.


4

 

Cage The Elephant – Cigarette Daydreams

Regie: Mark Pellington

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Mark Pellington weiß, wie man mit einer Kamera umgeht. In unübertrieben Hunderten von liebevoll gesetzten Einstellungen zeigt er dies aus den unterschiedlichsten Winkeln und Distanzen und bleibt dabei dennoch wirkungsvoller Noir-Erzähler. Wenn man sich dieses Jahr ein Video Bild für Bild ausdrucken könnte, um damit ein Haus zu tapezieren, würde man dieses wählen.


3

 

Joywave – Tongues
DJ Snake & Lil Jon – Turn Down For What

Regie: DANIELS

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Rasante kinetische Eruptionen sind das Markenzeichen von DANIELS und 2014 bekam das die ganze Welt in einer zerstörerischen Orgie des Gliederzuckens zu sehen. Dass dies noch die weniger schräge Idee des Duos war, zeigt ihr nicht minder genialer Clip über den Krieg zwischen Nackt- und Kleidungsmenschen in schmieriger 70er-Exploitation-Optik, mit Romeo-und-Julia-Romanze und einem denkwürdig grotesken Ende.


2

 

Sia – Chandelier

Regie: Sia & Daniel Askill

1

 

Flying Lotus – Never Catch Me

Regie: Hiro Murai

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Es war ein gutes Jahr für Musikvideos mit Beinbewegung. Die höchsten beiden Plätze in dieser Liste sind mit ihnen belegt und es ist durchaus möglich, dass in beiden eigentlich das gleiche passiert. Welches davon nun die Spitzenposition mehr verdient, ist kaum zu sagen: Die denkwürdigsten Posen spielen sich (erst recht in der Komplettversion) in Sias Apartment ab, konzeptuell deutlicher hingegen ist Hiro Murais Meditation über den Tod. Eines steht fest: Hier wie dort tanzen sich die Kinder den Arsch ab. Mit Bravour.

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