
Vielleicht liegt es am sonnigen Kalifornien, aus dem die Growlers stammen, dass selbst die zynischsten und verbittertsten Zeilen von Sänger Brooks Nielsen in fröhlich-beschwingte Surfrock-Songs mit Reggae-, Garage- oder Disco-Einschlag verpackt werden. Passend zu diesem Gegensatz haben The Growlers ihre eigene, ebenso widersprüchliche Genrebezeichnung erfunden und nennen ihre Musik „Beach Goth“.
„Her love so uncomfortable/ She strikes down like a hammer on your big toe.“ Wenn man nur auf die entspannte Musik des Eröffnungssongs „Big Toe“ und nicht auf den leicht näselnden Gesang achtet, würde man wohl nie vermuten, dass Nielsen hier eine „cold bitch“ besingt, die ihn einmal beinahe in den Selbstmord getrieben hat („She’s got me on the bridge looking down at the old cold river“). Auch hinter dem düsteren Titel des nächsten Songs „Black Memories“ verbirgt sich ein sonniger 60er-Surfrock-Hit inklusive gut gelaunt klappernder Kastagnetten und selbst „Magnificent Sadness“, das als melancholische Ballade beginnt, hüpft in der zweiten Hälfte aufgekratzt auf und ab.
Für „Chinese Fountain“ haben sich die Kalifornier erstmals in ein „richtiges“ Studio mit professionellem Equipment gewagt und ihren Songs einen klareren, poppigeren Sound verpasst. Gleichzeitig haben The Growlers ihre Musik um einige Einflüsse und Stile erweitert – so erinnert der Titelsong an die Disco-Ära der 70er, das folgende „Dull Boy“ versprüht dank Off-Beat und gedrosselten Tempos ein Reggae-Feeling, welches „Good Advice“ mit seinem drängelnden Garagenrock sofort wieder vertreibt.
Leider geht den Growlers im letzten Drittel der Platte ein wenig die Puste aus – „Not The Man“, „Rare Hearts“ und „Sunset Drive“ können nicht mit dem Einfallsreichtum der ersten Songs mithalten und ähneln dem Vorhergehenden zu sehr. Auch Nielsens Texte wirken an einigen Stellen im Vergleich zur Musik etwas unkreativ, wenn er beispielsweise in „Chinese Fountain“ John Lennons kontroversen Jesusvergleich auf das World Wide Web überträgt („The internet is bigger than Jesus and John Lennon“) oder im Refrain zu „Good Advice“ feststellt: „There’s nothing as depressive as good advice/ Nobody wants to hear how to live their lives.” Andererseits werden The Growlers nie eine Band sein, die man wegen ihrer Songtexte hört – man will sich schließlich nicht von Nielsens schlechter Laune den Spaß am fröhlichen Indierock der Band verderben lassen.